Nur zu Gast – aber wie!

Begegnungen & Menschen
Hans Heinrich Hefti
15. Oktober 2026

Uganda, 2024/25. Ein aufgebrachter Silberrücken und ein überwältigender Empfang in einem Dorf: zwei sehr unterschiedliche Willkommensgrüsse.

Was für ein Erlebnis zum Abschluss des Jahres: Am Morgen des 31. Dezember wartet im Bwindi-Nationalpark die Begegnung mit einer Berggorilla-Familie. Nach einem kurzen Abstieg durch den dichten Dschungel stehen wir plötzlich mitten unter den Tieren. 

Die Gorillas fressen, spielen und kümmern sich um ihren Nachwuchs. Ihre Mimik und die beinahe menschlichen Bewegungen lassen uns staunen und berühren uns tief.
Dann kippt die Stimmung schlagartig. Während wir versuchen, einen besseren Blick auf den Silberrücken zu erhaschen, richtet dieser sich plötzlich auf, knurrt laut und rennt auf uns zu. Für einen Moment stockt uns der Atem. Die Wildtierführer reagieren sofort, beruhigen das mächtige Tier und verhindern eine Eskalation. Wenige Augenblicke später stellt sich der Silberrücken schützend vor Mutter und Jungtier. Die Botschaft ist klar: Wir sind hier nur Gäste.

Am Neujahrstag wartet bereits das nächste Highlight. Nach einer überraschenden Begegnung mit seltenen Helm-Chamäleons führt uns die Reise nach Kiyebe, dem Heimatdorf des Gründers unseres Reiseveranstalters. Die Fahrt über eine holprige Piste lässt nicht erahnen, was uns dort erwartet.

Als wir mittags ankommen, werden wir von über siebzig Dorfbewohnern empfangen. Sie singen, tanzen, schmücken unser Fahrzeug mit Blumen und streuen Blüten vor unsere Füsse. Im ersten Moment fühlt sich die Situation beinahe bedrohlich an. So viele fremde Menschen auf engem Raum.

Doch aus der Unsicherheit wird schnell Verlegenheit. Als Schweizer fragen wir uns, ob ein solcher Empfang überhaupt angemessen ist. Für einen Augenblick fühlt es sich an, als würden wir als wohlhabende Europäer in einem afrikanischen Dorf wie Kolonialherren gefeiert. Ein unbehaglicher Gedanke.

Je länger wir jedoch bei den Menschen sind, desto mehr verstehen wir den wahren Hintergrund. Die Lieder, Tänze und Gespräche sind kein Ausdruck von Unterwürfigkeit, sondern von ehrlicher Gastfreundschaft und gegenseitigem Interesse. Sogar unsere Namen werden in die Willkommenslieder eingebaut. Beim gemeinsamen Mittagessen, das mehrere Frauen des Dorfes über offenen Feuerstellen zubereiten, entstehen Begegnungen auf Augenhöhe.

Als wir uns verabschieden müssen, überwiegt nur noch eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Nähe zu den Berggorillas, für die Begegnungen mit den Menschen von Kiyebe und für die Erkenntnis, dass Reisen dann am wertvollsten ist, wenn es hilft, Vorurteile, Ängste und Unsicherheiten zu überwinden.

Hans Heinrich Hefti (64) wohnt in Schwanden GL und leitet ein junges Finanzteam. Er reist leidenschaftliche gerne und organisiert seine Abenteuer seit mehr als 40 Jahren selbst. 

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