Eine etwas andere Massage auf Bora Bora
Französisch-Polynesien, 2015. Einfach treiben lassen in der Südsee: Unterwasser-Brokkoli, Stachelrochen und ein Moment, der lange nachwirkt.
Es gibt auf jeder Reise diesen einen Moment, der sich leise festsetzt und nie mehr ganz verschwindet. Auf meiner Reise durch die Südsee geschieht dieser Moment in Französisch-Polynesien – mitten im Pazifik, weit weg von allem Vertrauten.
Die Südsee-Tour beginnt in Neukaledonien und führt mich über Samoa, Fidschi und Tahiti bis auf Bora Bora in Französisch-Polynesien. Jede Insel ist anders, und doch haben sie etwas gemeinsam: eine unglaubliche Lebendigkeit.
Ich bin überrascht, wie viele ausgewanderte Schweizer und Deutsche ich unterwegs treffe. Menschen, die einst wie ich als Touristen hierhin gekommen waren – und geblieben sind. Vielleicht, weil die Inseln mit ihrer üppigen Natur sofort etwas im Innersten berühren. Alles leuchtet in sattem Grün, vor allem die vielen Mangobäume. Und die Passionsfrüchte schmecken so aromatisch, als wäre darin die pure Sonne eingefangen.
Doch der Moment, der mich verändert, geschieht im Wasser. In einer Lagune begegne ich Stachelrochen und Riffhaien. Die Stachelrochen schmiegen sich regelrecht an meinen Körper. Ihre Bewegungen sind sanft und fliessend, einer berührt mein Gesicht, ein anderer meinen Oberkörper. Vielleicht suchen sie nach winzigen Hautpartikeln oder reagieren einfach neugierig auf meine Haut. Es fühlt sich an wie eine Massage. Oder als würden sie mich küssen – ein seltsamer, aber zutiefst friedlicher Austausch zwischen Mensch und Tier. Angst hat keinen Platz mehr.
Überhaupt öffnet sich hier unter Wasser eine andere Welt. Vor Bora Bora erstreckt sich eine riesige, flache Lagune, deren Boden wie ein Garten aussieht. Gigantische grüne Korallen wachsen dort wie Brokkoli. Was jedoch am meisten bleibt, sind die Menschen. Ihre Offenheit und Herzlichkeit. Abends tanzen sie am Feuer, erzählen Geschichten und lachen. Sie essen einfach, aber köstlich: Fisch, in Blätter gewickelt und gegart, geteilt ohne Eile. Dazu endlose Sandstrände, türkisfarbenes Wasser und Sonnenuntergänge, die ich bis heute für die schönsten der Welt halte.
Dieser Moment – zwischen Rochen, Korallen, Feuertanz und Lachen – hat mir gezeigt, wie tief Reisen berühren kann. Und dass Mut manchmal bedeutet, sich einfach treiben zu lassen.
Svetlana Suter (50) wohnt in Zürich und arbeitet als Immobilieninvestorin. Die Welt zu bereisen, ist ihre Passion.