Prächtige Palmen und Ein bisschen Panik
Mauritius, 2025. Eine Mutter verreist allein mit zwei kleinen Kindern und fragt sich noch beim Abflug: Ist das wirklich eine gute Idee?
Als wir in Paris ins Flugzeug steigen, spüre ich Erleichterung und Angst. Wochenlang habe ich geplant, gepackt, gezweifelt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Elf Stunden Flug, angekündigte Turbulenzen und ich allein mit zwei kleinen Kindern – noch bevor wir abheben, frage ich mich: Ist das wirklich eine gute Idee?
Mauritius war nie mein Traumziel. Eher ein Zwischenstopp auf dem Weg nach La Réunion. Palmen, Honeymoon, All-inclusive, so stellte ich es mir vor. Nicht gerade der Ort für Trotzanfälle mit Sand in sämtlichen Ritzen. Doch irgendetwas in mir wollte los. Raus mit den Kindern, ins Unbekannte.
Unsere erste Unterkunft liegt im tropischen Süden, mitten im Grünen. Nachts trampeln Affen über das Dach, morgens wecken uns Vögel. Zwischen Pferdeweiden und Palmen wird es plötzlich still in mir. Wir wandern, pflanzen einen kleinen Baum, lachen über «Mami-ich-kann-nicht-mehr»-Momente und finden unseren Rhythmus. Zum ersten Mal denke ich: Vielleicht schaffen wir das wirklich.
Dann wieder Zweifel. Eine Maus huscht nachts durchs Zimmer. Panische Kindertränen wegen streitender Strassenhunde. Und ein klemmendes Türschloss bei Einbruch der Dunkelheit. Es ist Sonntagabend, keine Rezeption, kein Mensch in Sicht. Ich spüre, wie dünn meine Nerven sind. Wie sehr ich mir gerade jemanden wünsche, der Verantwortung mitträgt.
Und gleichzeitig sind da diese anderen Momente: der Bus nach Port Louis, voll mit Stimmen, Gewürzduft und Leben. Die Kinder staunen, ich staune mit. Riesenschildkröten kreuzen unseren Weg, als wollten sie sagen: langsam, Schritt für Schritt. Auf einer kleinen Insel stehen wir fast allein im warmen Wasser, Einsiedlerkrebse krabbeln durchs klare Meer. Die Welt fühlt sich weit an und genau richtig.
Je länger wir bleiben, desto mehr verändert sich etwas. Zwischen Chaos und Kreativität entdecke ich eine neue Stärke. Ich lerne, Taxipreise zu verhandeln, mit wenig Schlaf klarzukommen, Entscheidungen zu treffen. Und meinen Kindern vorzuleben, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotzdem zu gehen.
Nach vierzehn Tagen weiss ich: Diese Reise war kein Strandurlaub. Sie war eine Achterbahn: Zweifel, Überforderung, Staunen, Stolz. Aber genau darin lag ihre Kraft. Wir sind als kleines Dreierteam losgezogen und unterwegs gewachsen.
Manchmal beginnt das grösste Abenteuer nicht mit einem Traumziel. Sondern mit der Frage: Traue ich mich?
Aliz Künzler (40) ist Lehrerin aus Andwil TG mit Neugier im Herzen und Fernweh im Gepäck. Sie will ihren Kindern immer wieder zeigen, dass Lernen und Entdecken untrennbar zusammengehören.