Der Denkfehler

Reisepannen & Krisen
Nadja Steiner
08. Juli 2026

Thailand & Mauritius, 2025. Eine Reise nach Mauritius endet am Check-in in Bangkok. Der Rest des Tages wird nicht besser.

Flughafen Bangkok, wir stehen voll bepackt am Check-in, um nach Mauritius weiterzufliegen. Doch man verweigert uns die Reise – wegen eines fehlenden Visums. Das kann doch nicht wahr sein! Wir haben uns doch vorher informiert: Wer sich nicht länger als 24 Stunden am Flughafen aufhält und diesen nicht verlässt, braucht kein Visum.

Nun ja, tatsächlich: Wir haben einen bösen Denkfehler gemacht. Unser Gepäck musste neu eingecheckt werden, weshalb wir zuvor den Transitbereich zu verlassen hatten. Wir haben uns viel zu sehr auf unsere knapp fünf Stunden Aufenthaltsdauer konzentriert. Wäre das Gepäck direkt nach Mauritius durchgecheckt worden, wäre unser Plan aufgegangen. Wäre, wäre, wäre ...

Nun stehen wir da wie zwei Vollidioten – und brauchen erst einmal dringend eine Zigarette. In der hässlichen, völlig verqualmten Raucher-Area fliessen einige Tränen. Danach beantragen wir sofort die Express-Visa, deren Bearbeitung mindestens zwei Tage dauert und natürlich extra kostet.

Die Stimmung zwischen uns ist ruhig, aber bedrückt. Wir haben ja nicht einmal ein Bett für die Nacht. Nach einer weiteren Zigarette buchen wir eine Unterkunft, Hauptsache günstig und möglichst nahe am Flughafen. Denn soeben ist das ganze Geld für die neuen Flüge nach Mauritius flöten gegangen. Scheisse!

Endlich in unserer neuen Zwangsunterkunft angekommen, entspannt sich die Stimmung wenigstens ein bisschen. Immerhin sind wir gesund und haben uns. Es geht «nur» um Geld. Und immerhin können wir das Anreisedatum unserer bereits gebuchten Unterkunft auf Mauritius verschieben.

Später entscheiden wir uns, in einer der Garküchen in Bangkok eine Suppe zu bestellen, nachdem unser «Stammlokal» leider direkt vor unserer Nase geschlossen hat. Eine heisse Suppe tröstet bekanntlich immer. Leider ist es die widerlichste Suppe überhaupt. Darin schwimmen wohl nur Innereien, Blutwurst, Lunge, Zunge und anderes undefinierbares Geschlabber. Also geben wir sie den streunenden Hunden weiter. Aber nicht einmal die fressen sie.

Zurück in der Unterkunft beschliessen wir, die Erlebnisse des Tages als «Traumabewältigung» sofort niederzuschreiben. Und was passiert? Ich verliere den ganzen Text ungefähr an dieser Stelle hier. Also schreiben wir alles ein zweites Mal. Vielleicht hilft das ja doppelt.

Und was macht man nach einem so misslichen Tag, kurz vor Mitternacht? Wir entscheiden uns, gemeinsam in einem Bett ganz viele Chips in uns hineinzustopfen und uns zu betrinken.

Nadja Steiner (44) ist Fachfrau Langzeitpflege aus Gelterkinden BL. Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt mit Mauritius. Und eine nächste Reise ist bereits in Planung – mit besonderem Fokus auf die exakten Visabestimmungen.

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