Stillstand in der Savanne

Reisepannen & Krisen
Denise Gurtner
23. Januar 2026

Kenia, 2010. Manchmal sind es nicht die Tiere, die eine Safari gefährlich machen.

Das erste Mal Langstreckenflug, das erste Mal Afrika und Safari: Mein Mann und ich reisen nach Kenia und können es kaum erwarten. Vor Ort ist die Überraschung gross: Wir sind die einzigen Gäste auf dieser Tour. Umso besser. Unser Guide ist sehr gesprächig und erklärt viel über Land und Leute. Kaum erreichen wir den ersten Nationalpark, klappt er das Dach hoch. Wir fahren stehend durch den Park und erblicken erste Wildtiere. Fantastisch! 

In den nächsten Tagen folgen viele Stunden im Auto durch verschiedene Parks, bevor wir uns auf den letzten Game-Drive im Tsavo-West-Nationalpark freuen. Das Highlight zum Schluss wird ein Sundowner auf einem Aussichtspunkt sein. Nach der Mittagspause geht’s los. Wir treffen unseren Guide in der Lobby des Camps, er wirkt plötzlich anders, sein Elan der vergangenen Tage ist weg. Mit einem eigenartigen Gefühl steigen wir ins Auto. Er spricht kaum, und wenn, dann hat er Mühe, die Worte zu finden und artikulieren. Bald begreifen wir: Unser Fahrer ist betrunken. Mitten im Nirgendwo hält er plötzlich an. «Reifencheck» ist sein einziger Kommentar. Er steigt aus und macht eine Pinkelpause. Wir sind verunsichert. 

Als er wieder einsteigt, springt der Motor nicht mehr an. Unser Guide versucht es immer wieder, aber scheitert. Auf unsere Fragen erhalten wir keine Antworten, er schweigt. Auch sein Versuch, andere Autos in der Umgebung anzufunken, misslingt – niemand da ausser uns. Nun stecken wir hilflos mitten in Kenia fest, mit einem betrunkenen Fahrer und einem kaputten Wagen, und realisieren, dass in dieser Abgeschiedenheit nicht mit anderen Autos zu rechnen ist. Es bleibt nichts anderes übrig, als im Auto zu warten. Bange Minuten werden zu bangen Stunden. 

Dann endlich, ein anderes Auto am Horizont! Wir winken und schreien, hüpfen hoch und her, in der Hoffnung, bemerkt zu werden. Und tatsächlich, es fährt auf uns zu und hält. Die beiden Guides sprechen sich ab und entscheiden, dass wir mit den anderen weiterfahren können. Unsere Rettung. Unendlich dankbar quetschen wir uns zu den anderen, die Safari geht weiter. Unser Zeitgefühl ist völlig verloren gegangen, und als wir endlich zurück im Camp sind, ist es stockdunkel.  

Nun fällt die ganze Anspannung ab – und das Kopfkino startet so richtig. Was nicht alles hätte schieflaufen können! Ein Unfall, eine Nacht in der Wildnis. Hätten wir vor der Abfahrt reagieren sollen? Was geschieht nun mit unserem Guide? Kann er seinen Job behalten, weiterhin für seine Familie sorgen? Wir realisieren nun auch, wie verschieden das Leben anderer Menschen aussehen kann. Und wie privilegiert wir sind. Gleichzeitig sind wir erleichtert, dass nichts passiert ist. Es wird eine schlaflose Nacht. 

Denise Gurtner (38) ist Reiseberaterin beim Globetrotter Travel Service in Biel/Bienne. Afrika hat sie trotz dieser Geschichte nicht mehr losgelassen – oder gerade wegen dieser Geschichte? 

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