Quarantäne umschiffen im Golf von Thailand
Thailand, 2021. Während toller Familienferien an Covid zu erkranken ist mühsam – vor allem, wenn es niemand merken darf.
Mitte November, morgens um 8 Uhr auf Koh Kood. Ich komme vom Schnorcheln zurück und steige aus dem 30 Grad warmen, kristallklaren Meerwasser. Leandro schläft noch. Ich setze mich auf die Veranda und blicke glücklich auf die einsame Bucht. Was für ein Gefühl.
Was wir heute wohl erleben? Werden wir wieder irgendwo spontan zum Essen eingeladen oder zu einer Mönchszeremonie? Oder begleiten wir nochmals Fischer auf ihren kleinen Booten? Ich bin allein mit meinem dreijährigen Sohn unterwegs. Andere Reisende gibt es kaum, Thailand hat seine Grenzen wegen der Pandemie erst kürzlich wieder geöffnet.
Zuerst einmal frühstücken. Oder doch nicht? «Sorry, kitchen is closed». Der Koch fällt mit Covid aus. Okay, nicht schlimm, irgendwo gibt’s sicher etwas. «Oh sorry, you must stay in bungalow. Hospital will come and test all guests!» Wenn jetzt Leandro oder ich ebenfalls positiv getestet werden, bedeutet dies Quarantäne: Bungalow für die nächsten zehn Tage nicht verlassen. Und dies kurz bevor David in Thailand landet, uns für zwei Wochen besuchen kommt. Leandro hat sich doch so auf Papi gefreut.
Am nächsten Morgen: Unsere Tests sind negativ. Erleichtert reisen wir weiter nach Koh Chang. Wir mieten einen Roller, reisen damit zu dritt und all unserem Gepäck rund um die Insel. Übernachten dort, wo es uns gerade gefällt. Platz hat es überall, Touristen sind noch nicht viele da. Koh Chang, Koh Mak, Koh Kood – eine wunderschöne Familienzeit!
Mitte Dezember. Ich liege in der Hängematte und beobachte Leandro beim Spielen am Strand. Für die nächsten paar Wochen bin ich wieder alleine mit ihm unterwegs. Obwohl der Strand keine 20 Meter von unserem Bungalow entfernt ist, schaffe ich es nicht, ihm Gesellschaft zu leisten. Ich habe hohes Fieber. Dengue, Grippe oder Covid? Ein Selbsttest bestätigt: Ich habe mich mit Covid infiziert. Krank sein ist doof. Alleine im Ausland sowieso. Wenn noch ein dreijähriger Wirbelwind dabei ist, der etwas Action und auch mal was zu essen braucht, noch doofer. Doch die grösste Herausforderung ist, mir nichts anmerken zu lassen. Sonst werde ich für mindestens 10 Tage ins Spital gesteckt. Was für ein Gefühl.
Nach 48 Stunden geht es mir besser. Nun kennen wir von Koh Kood jede einsame Bucht und alle menschenleeren Dschungelpfade. Leandro liebt das Rollerfahren, winkt allen Leuten zu. «Mami», meint er, «ich finde es nicht schlimm, wenn du mal krank bist. Denn dann darf ich im Restaurant selber Essen bestellen gehen. Ich habe mir von morgens bis abends immer Pancakes mit Schokolade bestellt». Leandro klettert über Felsen, sammelt Muscheln, lacht, ist glücklich.
Vier Jahre später. Leandro sitzt am Küchentisch, zeichnet seine Wunschliste für Weihnachten: Lego, neue Ski – und eine Weltkugel. «Mami», sagt er, «ich möchte nochmals so eine Reise mit dir erleben». Was für ein Gefühl!
Fabienne Walker (46) wohnt in Schaffhausen und arbeitet als Reiseberaterin beim Globetrotter Travel Service in Winterthur. Reisen ist für sie der schönste Weg, Geld auszugeben und trotzdem reicher zu werden. Sie verbringt jedes Jahr drei Monate auf Reisen – auch wenn gerade Pandemie ist.