Grosse Gastfreundschaft Gegen böse Geister

Begegnungen & Menschen
Marianne Theis
20. Mai 2026

Indonesien, 1975. Eine Reise ins Hochland von Sulawesi führt zu denkwürdigen Begegnungen – und in ein fremdes Ehebett.

Wir erreichen die Insel Sulawesi in einem rumpelnden Propellerflugzeug. Unser Ziel: das Hochland Tana Toraja, wo wir tief in eine Welt abtauchen werden, die uns gleichzeitig fremd und berührend vertraut erscheinen sollte. Schon die Fahrt hinauf ist ein Abenteuer: Der Bus ist bis unters Dach mit Menschen, Tieren und Waren beladen, die Strasse löchrig. Die Landschaft wechselt dramatisch von Küste zu schroffen Bergen. Unterwegs passieren wir Erdrutsche und zerstörte Brücken und finden trotzdem Wege, weiterzufahren. 

In Tana Toraja sind wir meist zu Fuss unterwegs. Wir orientieren uns an primitiven Landkarten und verirren uns oft. Das lässt Raum für Ungeplantes. Immer wieder schliessen sich uns Toraja an, wie das einheimische Volk hier heisst, sie sind neugierig und hilfsbereit. Auf einer Wanderung lernen wir einen alten Mann kennen, der uns ein kunstvoll geschmiedetes Kriegsmesser anbietet. Wir kaufen es ihm entzückt ab – und werden kurz darauf von einem verärgerten jungen Mann zur Rede gestellt.

Erst am Abend klärt sich alles: Der alte Mann war sein Vater, der aus Not das einzige wertvolle Familienerbstück verkauft hat. Wir geben das Messer zurück und erleben eine tiefe, wortlose Dankbarkeit, die uns beschämt und zugleich erfüllt.

Eine andere Begegnung führt zu einer Einladung in ein abgelegenes Dorf. Als wir ankommen, werden wir mit Kaffee empfangen, die Familie ist aber noch bei der Arbeit auf den Feldern. Also warten wir auf einem Reisspeicher. Später sitzen wir alle zusammen am Feuer in einem dunklen Tongkonan, dem traditionellen Ahnenhaus der Toraja, umgeben von Stimmen, Schatten und dem Rascheln der Tiere. Als es Zeit zum Schlafen ist, erfahren wir eine Geste grösster Gastfreundschaft: Die jungen Gastgeber überlassen uns ihr Ehebett. Im Zimmer brennt die ganze Nacht eine Petroleumlampe – zum Schutz vor bösen Geistern, wie man uns erklärt. Wir schlafen wohlbehütet ein, obwohl die Welt um uns herum kaum fremder sein könnte.

So wird die Reise nach Tana Toraja vor allem zu einer Begegnung mit einer Gemeinschaft, in der Leben, Tod und Gastfreundschaft untrennbar verbunden sind. Und darum geht es beim Reisen doch: um die unerwarteten Erlebnisse und um Begegnungen, die bleiben. Mich begleiten diese Bilder bis heute mit grosser Dankbarkeit.

Marianne Theis (79) ist bildende Künstlerin und wohnt in Uster. Die damalige Reise hat sie zu zahlreichen Bildern inspiriert, die ausgestellt wurden. Sie hat die Bilder Indonesien gewidmet.

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