Mit sieben Jahren Verspätung

Reisepannen & Krisen
Michael Wüthrich
15. Oktober 2026

Kirgistan, 2010. Der Traum von Kirgistan scheint trotz politischer Unruhen in Erfüllung zu gehen – bis sich nach zehn Tagen das Schweizer Konsulat meldet.

Zwei Wochen Russisch lernen in der Hauptstadt Bischkek, danach das Land bereisen – so lautet mein Plan für den Sommer 2010. Die Vorfreude ist enorm, Kirgistan fasziniert mich schon lange. Doch kurz vor der Abreise gerät das Land in die Schlagzeilen: Eine Revolution erschüttert das Land, nach heftigen Protesten wird der Präsident gestürzt.

Ich frage mich, ob ich nur zwei Monate später tatsächlich dorthin reisen soll. Nach Rücksprache mit der lokalen Organisation, die mir eine Gastfamilie und einen Russischkurs vermittelt, entscheide ich mich trotzdem dafür.

In Bischkek wohne ich bei einer einheimischen Familie, besuche den Sprachkurs und verbringe die Nachmittage in Parks und Cafés mit neuen Bekanntschaften. Die Abende verbringe ich meist mit der Gastfamilie, oft spiele ich mit dem Vater und seinen Freunden Fussball im Park. Das Wetter ist prächtig und passt zu einem perfekten Aufenthalt. Am ersten Wochenende besuche ich mit einer Freundin den Ala-Artscha-Nationalpark und komme zum ersten Mal in die beeindruckende Bergwelt Kirgistans.

Keine zehn Tage nach meiner Ankunft eskaliert im Süden des Landes aber ein weiterer Konflikt, zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit. Besonders die Stadt Osch ist schwer betroffen, Hunderte Menschen kommen ums Leben. Obwohl Bischkek rund 350 Kilometer Luftlinie entfernt liegt, sind die Unruhen auch dort spürbar. Die Medien berichten laufend darüber, die Menschen werden zunehmend nervös.

An einem sonnigen Nachmittag sitze ich mit einer Freundin im Park, als sich das Schweizer Konsulat meldet. Alle Schweizer Staatsangehörigen werden aufgefordert, das Land so rasch wie möglich zu verlassen. Meine Reise endet abrupt. Auch die geplante Weiterreise nach Usbekistan scheitert – die Botschaft ist geschlossen und Visa werden keine mehr ausgestellt. Nach Tadschikistan kann ich ebenfalls nicht weiterreisen, da der Weg über Osch führt. Mir bleibt nur die Rückreise in die Schweiz.

Immer wieder denke ich an die schöne Zeit in Bischkek, an meine Gastfamilie und an all die Orte, die ich nicht besuchen konnte. Sieben Jahre später kehre ich zurück. Diesmal bereise ich endlich den Issyk-Kul-See, Karakol, das Jeti-Oguz-Tal, den Son-Kul-See und zum Abschluss Osch. Ein Wiedersehen mit meiner Gastfamilie ergibt sich leider nicht. Dafür reise ich weiter über Sary Tasch nach Tadschikistan, fahre auf dem Pamir Highway durch das Wakhan-Tal bis nach Duschanbe. Diesmal kehre ich erfüllt in die Schweiz zurück. Manche Träume erfüllen sich erst im zweiten Anlauf.

Michael Wüthrich (44) aus Buckten BL arbeitet seit 18 Jahren für Globetrotter in Basel – heute als Filialleiter bei Globetrotter Business Travel.

Deine Reise gefunden?

Lass uns gemeinsam deinen individuellen Reisewunsch besprechen.
Seite teilen
Dein primärer Reisetyp

Du hast {#percent}% Übereinstimmung mit diesem Reisetypen.

Welcher Reisetyp bist du?

Diese Übersicht zeigt dir, wie stark dein Profil allen sieben Reisetypen entspricht.

Entdecke deinen Reisetyp

Welcher Reisetyp bist du?

Finde heraus, welche Reise perfekt zu deinem Reisetyp passt und welche*r Reiseberater*in dich am besten beraten kann. Mach den Test und finde in nur wenigen Klicks deinen persönlichen «Perfect Match».
Gewinne CHF 500.–
Schnapp dir jetzt noch die Chance auf 500 Franken für deine nächste bewegende Reise.