Böses Erwachen im Nachtexpress

Reisepannen & Krisen
Nathalie Stirnimann
19. Dezember 2025

Mitten in der Transsibirischen Eisenbahn: Drei Mitreisende mit Drogen. Und eine chinesische Grenze. Kommt das gut?

Januar 2000, ich packe meinen Rucksack und breche zum Start des neuen Jahrtausends nach Asien auf, Reisedauer unbestimmt. Mein Ziel ist es, möglichst alle Strecken mit Zug oder Bus zu absolvieren. In Moskau steige ich in die Transsibirische Eisenbahn und erfülle mir einen Jugendtraum: eine Zugreise quer durch Russland nach Wladiwostok, eine Stadt am Pazifik, die bis 1992 für Auswärtige nicht zugänglich war. Von hier geht es weiter nach China, in die Stadt Harbin. Beseelt von der bisher traumhaften Reise, steige ich vorfreudig in den Zug. Nichtsahnend, dass nun die reinste Nervenprobe auf mich wartet.

Mein Schlafabteil ist komfortabel, ich teile es mit drei Vietnamesen. Dass sie kein Wort Englisch sprechen und ich kein Vietnamesisch, ist kein Problem. Ein Problem ist hingegen, dass ich mitten in der Nacht erwache und sehe, wie sich einer der Vietnamesen in aller Selbstverständlichkeit eine Dosis Drogen spritzt. Jedem das seine, aber nun wird mir gewahr, dass wir in wenigen Stunden eine Grenze überqueren, die nicht als menschenrechtsfreundlich gilt. Von humorlosen chinesischen Zollbeamten mit Drogen in Verbindung gebracht zu werden, gehörte nicht zu meinen Jugendträumen. Folterszenen aus dem Film «Midnight Express» schwirren mir durch den Kopf, in dem ein Drogenschmuggler der Türkei erwischt wird. Was, wenn die Vietnamesen ihre restlichen Drogen in meinem Gepäck versteckten, während ich schlief, um risikofreier über die Grenze zu gelangen? An Schlaf ist nicht mehr zu denken, ich beginne ganz beiläufig, meinen gesamten Rucksack auszupacken, untersuche jeden Winkel. Und finde zum Glück nichts. Noch dauert es bange Stunden bis zur Grenze. Ich trinke so wenig wie möglich, um nicht mehr auf die Toilette und mein Gepäck zurücklassen zu müssen. Dann stoppt der Zug. Die Grenze. Mein Puls steigt.

Und es geschieht, was meistens geschieht auf Reisen, wenn man sich um etwas sorgt: nichts. Die Grenzkontrolle bleibt harmlos, ich reise als freie Frau in China ein. Weil die Eisenbahnschienen beider Länder unterschiedliche Spurgrössen haben, folgt ein gefühlt ewiges Manöver. Am Ende sind es 24 Stunden im Abteil mit den drei Vietnamesen und ihren harten Drogen, bis wir Harbin erreichen. Normalerweise gilt für mich: Die Reise ist das Ziel. Diesmal bin ich einfach nur froh, am Ziel zu sein. In Harbin herrschen minus 45 Grad. Ich kühle mein Gemüt am Harbin Ice Festival ab. Hier werden bekannte Gebäude in Originalgrösse aus Eis nachgebildet. Spektakulär! Und weiter geht mein Trip – 12 Monate lang mit Bus und Zug, bis Pakistan. Und von dort im Flugzeug nach Hause. Die Reise bleibt das Ziel. 

Nathalie Stirnimann (55) arbeitet im Headoffice Produkte Team beim Globetrotter Travel Service. Reisen ist für sie Beruf und Passion gleichermassen – natürlich ohne Drogen im Gepäck.

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