Ganz schön was los hier

Kultur & Geschichte
Carmen Hess
14. August 2026

Japan, 2018. Rasendes Tokio, alpine Abenteuergefühle und die Stille uralter Zedernwälder: All diese herrlichen Gegensätze – und all diese Touristen...

Japan ist für mich lange ein ferner Traum. Einer dieser Wünsche, die man jahrelang mit sich herumträgt, ohne zu wissen, wann sie endlich Wirklichkeit werden. Mit 43 Jahren ist es so weit. Ich reise zum ersten Mal nach Japan – neugierig auf ein Land, das viele Gegensätze vereinen soll.

Schon Tokio macht klar, dass das keine Übertreibung ist. Hier verbringe ich die ersten drei Tage – auch, um mich in Ruhe zu akklimatisieren. Wobei «in Ruhe» in Tokio natürlich ein dehnbarer Begriff ist. Die Stadt pulsiert, blinkt, rauscht und zieht einen sofort in ihren Bann. Ich tauche ins Getümmel der Takeshita Street ein, meine Sinne sind schnell überfordert. In der Omoide Yokocho, auch als Memory Lane bekannt, entdecke ich köstliches Streetfood – und finde in einem Garten plötzlich eine ganz andere Seite dieser riesigen Stadt: stille, fast zarte Momente mitten im Grossstadtpochen. Und dann ist da auch noch die Kirschblüte – als hätte Japan zur Begrüssung beschlossen, gleich ein bisschen besonders schön zu sein.

Nicht weniger schön ist es am Kawaguchiko-See. Dort übernachte ich in einem wunderschönen Ryokan und habe grosses Glück: Kirschblüten, klare Luft und sogar freie Sicht auf den Fuji. Fast schon unverschämt perfekt.

Kurz darauf wandere ich auf dem historischen Nakasendo-Trail zwischen Magome und Tsumago. Sehr idyllisch, sehr japanisch – und dank Bärenglocke gleichzeitig leicht alpines Abenteuergefühl. Die Glocke bimmelt tapfer vor sich hin, die Bären bleiben glücklicherweise fern. Eine Vereinbarung, mit der ich sehr gut leben kann.

In Kyoto kommt es mir vor, als würde ich manche Sehenswürdigkeit mit ungefähr der halben Welt teilen. Ja, es ist überlaufen. Und trotzdem ist Kyoto eine der wunderbarsten Städte, die ich kenne. Diese Mischung aus Schönheit, Geschichte und Atmosphäre ist schwer zu übertreffen.

Hiroshima und der Tagesausflug nach Miyajima vereinen dann zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermassen eindrückliche Erfahrungen: das bedrückende Gedenken im Memorial zur Atombombe und kurz darauf die friedliche Insel Miyajima, nur eine kleine Schiffsfahrt entfernt. Kaum irgendwo liegen Schwere und Leichtigkeit so nah beieinander.

Auf Yakushima, einer grossartigen Insel mit subtropischem Flair, spaziere ich durch jahrtausendalte Zedernwälder in sattem Grün und feuchter Luft – und fühle mich wie in einer anderen Welt. Der Kontrast zu den Massen der Stadt Nikko, die ich zum Abschluss besuche, ist gross. Man sagt ja: «Nikko sehen und sterben.» Gesehen habe ich es. Und, wie man merkt, gestorben bin ich bisher nicht. Aber ein bisschen (sehr) verliebt in Japan bin ich danach ganz sicher. 

Carmen Hess (51) ist Kommunikationsverantwortliche aus Thun. Ihr Weg führte von der Musik über den Journalismus in die Kommunikation – ein roter Faden, der gut zu ihr passt, weil sie Sprache, Ausdruck und Menschen schon immer begleitet haben. 

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