Die letzte Reise

Begegnungen & Menschen
Lara Meili
19. Dezember 2025

In Varanasi erfüllt eine Enkelin den letzten Wunsch ihrer Grossmutter und übergibt ihre Asche dem Ganges. In der heiligen Stadt findet sie Verbundenheit und Frieden.

Kurz bevor mein Grosi stirbt, verspreche ich, ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Es ist ein Versprechen, das mich nach Indien führen wird. 

Grossmutter war schon in jungen Jahren mit ihrem Partner in ferne, unbekannte Länder aufgebrochen. Die erste Reise hatten sie im Globetrotter-Reisebüro in Zürich, dazumal noch im Velokeller, gebucht. Sie erzählte mir viel von ihren lebendigen und lustigen Abenteuern und besonders schwärmte sie von Varanasi. Indien war ihr Sehnsuchtsziel, 15 Mal war sie dort. Ihre Geschichten von diesen Reisen entwickelten eine eigene Magie – schön, traurig und bewegend. Für Grossmutter war klar: Wenn ihre Zeit gekommen war, wollte sie dem Ganges übergeben werden. Diesem heiligen Fluss, in diesem Land, das ihr so viel bedeutete.  

Der Abschied kommt schneller, als wir erwartet haben.

Und so packen mein Mann und ich unsere Sachen und ziehen los, in das fremde und überwältigende Indien.

Varanasi gilt für viele Hindus als die heiligste Stadt der Welt, es zieht auch mich sofort in seinen Bann. Die Hitze, die Menschen, das Gewimmel, die Geräusche, der Duft von Essen, Räucherstäbchen und Abgasen: Alles ist so viel, so intensiv. Und gleichzeitig schön, eine Mischung aus Spiritualität, Armut, Chaos und herzlichen Menschen in verwinkelten Gassen mit bunten, alten Häusern. Boote schaukeln auf dem Fluss, kleine Kinder spielen am Wasser.

Das Leben und der Tod stehen sich nah in Varanasi. Die Kremation der Verstorbenen findet mitten im Alltag der Lebenden statt, am Manikarnika Ghat, das Feuer geht nie aus. Denn auch der Tod gilt hier als etwas Alltägliches, Selbstverständliches. 

Wir begeben uns am frühen Morgen an den Ghat. Ein Nebel liegt über dem Fluss, langsam geht die Sonne auf. Pilger in farbenfrohen Saris steigen in den Fluss, um das heilige Wasser zu berühren und zu beten.

Ein Priester führt für uns eine Zeremonie mit Blumen und Kerzen durch, dann steigen wir in ein kleines Boot und fahren hinaus auf den Ganges. Und dort, in aller Stille, übergeben wir die Asche von Grossmutter dem Fluss; nun kann sie sich auf ihre letzte Reise begeben. Für mich ist es der traurigste und schönste Moment auf Reisen und einer der bewegendsten in meinem Leben überhaupt. Grossmutter war für mich mehr als mein Grosi: Sie war Ratgeberin und Unterstützerin und hat mir wichtige Werte und Traditionen vermittelt, genauso wie die Leidenschaft fürs Reisen. Diesen Ort erleben zu dürfen, den sie so geliebt hat, und ihr hier den letzten Wunsch zu erfüllen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Die Reise nach Varanasi ist eine Reise zu meiner Grossmutter – und zu mir selbst.

Lara Meili (33) ist Reiseberaterin und stellvertretende Filialleiterin beim Globetrotter Travel Service in Biel und wohnt in Lengnau. Sie liebt Reisen ins Unbekannte, um Menschen, ihren Geschichten und ihren Kulturen zu begegnen – und diese wirklich zu verstehen. So wie sie nun auch ihre verstorbene Grossmutter noch besser versteht. 

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