Am grossen Geysir Brechen alle Dämme
Island, 2025. Manche Träume gehen tatsächlich in Erfüllung: Auf Gefühlsachterbahn im Land aus Feuer und Eis.
Island ist lange mehr als einfach ein Reiseziel. Es ist mein grösster Traum. Einer, den ich mir immer wieder ausmale – und aus verschiedenen Gründen genauso oft wieder verwerfen muss. Jedes Mal tut es ein bisschen mehr weh, und mit jedem Mal wächst der Zweifel, ob der Traum vielleicht nie wahr wird. Bis im März 2025 aus «irgendwann» endlich «jetzt» wird.
Als ich auf Island lande, ist mein erstes Gefühl Ungläubigkeit. Ich starte in der Hafenstadt Keflavik, von dort führt mich die Reise mit dem Mietwagen in den Süden. Kilometer um Kilometer durch eine Landschaft, die so fremd und gleichzeitig so berührend ist: Weite, Leere, unglaubliche Schönheit.
Am grossen Geysir kommen alle Gefühle zusammen. Ich stehe da, umgeben von Schwefel in der Luft, der Boden lebendig – plötzlich schiesst das Wasser mit aller Kraft in die Höhe, und ich kann meine Gefühle nicht mehr zurückhalten. Tränen laufen mir über die Wangen, nicht aus Traurigkeit, sondern weil mich das Glück überwältigt. In diesem Moment realisiere ich: Ich bin tatsächlich in Island.
Beim Besteigen des Vatnajökull-Gletschers wird es ganz still. Ich gehe langsam und achtsam, das knirschende Eis unter meinen Füssen hat tausend Geschichten zu erzählen.
Am Diamond Beach bleibt die Zeit stehen. Der schwarze Sand mit glitzernden Eisbrocken, die wie verstreute Diamanten strahlen, ist so schön, dass ich für Stunden bleibe. Ich spüre tiefe Dankbarkeit, genau hier sein zu dürfen, will den Moment für immer festhalten und gleichzeitig einfach loslassen.
Dann erfährt die emotionale Achterbahnfahrt durch Island ihren nächsten Höhepunkt: Ich stehe draussen in der Kälte, schaue in den Himmel – und auf einmal tanzt das Licht über mir, grün, lebendig, unwirklich. Polarlichter. Ich fühle mich klein und unendlich glücklich. So lange hatte ich auf dieses Spektakel gewartet.
Beim Whale Watching schlägt mein Herz schneller. Das Wasser bleibt still, ich warte, hoffe, zweifle. Und dann plötzlich Bewegung. Ein Atemzug, eine Flosse, ein kurzer Blick auf einen Wal. Wahnsinn!
Und immer wieder diese traumhaften Wasserfälle. Sie sind überwältigend. Schliesslich hülle ich mich in der Wärme eines Hot Tubs ein. Die Luft ist minus 25 Grad kalt, der Weg ins Wasser kostet mich Überwindung. Doch kaum bin ich im Wasser, will ich nie mehr hinaus.
Das vielleicht grösste Geschenk dieser Reise aber ist: zu spüren, dass sich Warten lohnen kann. Dass Absagen nicht das Ende sind. Und dass manche Träume tatsächlich in Erfüllung gehen. Am Ende dieser Reise weiss ich jedenfalls: Island ist meine schönste Achterbahnfahrt der Gefühle.
Marie (31) ist Forensikerin aus Düsseldorf. Sie liebt es, unterwegs zu sein, neue Orte zu fühlen und Erinnerungen zu sammeln, die bleiben.