Überleben im Weiss

Abenteuer & Outdoor
Mona Vetsch
19. Dezember 2025

Sie sucht Eisbären – und findet Demut. Zwischen Packeis, Pannen und einem Notbiwak erkennt Mona Vetsch auf Spitzbergen, wie klein der Mensch in dieser lebensfeindlichen Schönheit ist.

Jenseits der nördlichsten Stadt der Welt gibt es nur Schnee und Eis. Das Packeis vor Longyearbyen dampft. Man kann hier der Welt beim Ausatmen zusehen.  

Es ist Frühling 2005, ich bin mit zwei Reporterkollegen vom Schweizer Fernsehen auf Spitzbergen. Für die Sendung «SF unterwegs» wollen wir Eisbären in freier Wildbahn sehen und filmen. Wir bereiten uns auf die Expedition in den Osten der Insel vor – dort, so heisst es, sei die Chance am grössten. Wir holen eine Sonderbewilligung ein, engagieren einen einheimischen Guide, absolvieren Schiesstraining und Schneescooterkurs.  

Dann geht es los. Vier Scooter, drei Schlitten, Unmengen an Ausrüstung. Bevor wir losfahren, sagt der Guide einen schönen Satz: «Alles, was sich lösen kann, wird sich lösen.» Ich werde noch daran zurückdenken. 

Die erste Panne erwischt uns früh. Der Scooter gibt den Geist auf, der Anlasser ist futsch. Wir können ihn nicht einfach in der Wildnis zurücklassen, und kämpfen zwei Stunden lang, bis wir es MacGyver-mässig schaffen, das 250-Kilo-Monster auf den Schlitten zu hieven. Ein Triumph! Wir fahren genau zehn Meter weiter, dann versinkt der Schlitten mit dem Scooter in einer Schneewehe. Ich denke, dass es jetzt nicht mehr schlimmer werden kann. Und ahne nicht, was noch kommt. 

Als wir ein paar Stunden später über einen Gletscher fahren, schlägt das Wetter um. Der Nebel wird so dicht, dass die Welt verschwindet. Wir verlieren die Orientierung komplett. Wegen der Gletscherspalten ist es zu gefährlich, weiterzufahren. Also: Notbiwak. Plötzlich geht es hier nicht mehr darum, eine schöne Reportage zu drehen, es geht ums Überleben. Wie lange werden wir hier ausharren müssen? Zwei Stunden? Zwei Tage? Ich packe mich in den Daunenschlafsack ein und sehe aus wie eine überdimensionierte orange Raupe. Durch einen kleinen Schlitz starre ich nach draussen – und sehe, wie ein Riss im Nebel entsteht. Ein Strahl Sonne. Hoffnung. Das Bild brennt sich in mir ein. 

Als der Nebel tatsächlich aufreisst, fahren wir weiter. Seit 40 Stunden sind wir jetzt unterwegs, völlig übermüdet. Wir wollen nur noch zurück in die Zivilisation. Kurz vor Longyearbyen gleiten wir über ein weites Eisplateau. Wir sind fast schon euphorisch – bis wir merken, dass ein Reporter fehlt. Markus. Wir haben ihn verloren, weil wir nicht zurückgeschaut haben. Wir drehen um. 

Minuten später brennt sich ein zweites Bild in mir ein: Markus’ Oberkörper ragt aus einer flachen Eislandschaft. Der Rest verschwindet in einem Gletscherwasserloch, sein Scooter ist zur Hälfte abgesoffen. Er war in ein Wasserloch gefahren und kann sich alleine nicht befreien. Wir ziehen ihn raus. Kurz überlegen wir, ob wir die Szene filmen sollen. Wir tun es nicht. 

Als wir am Ende unserer Kräfte Longyearbyen erreichen, sehe ich Hunde mit kleinen Schuhen an den Pfoten gegen die Kälte. Die Normalität wirkt surreal.  

Spitzbergen verbindet unsere Gruppe von damals für immer. Was wir erleben, erschüttert und beruhigt mich gleichzeitig. Die Natur ist manchmal lebensfeindlich und gnadenlos, und doch finde ich darin eine tiefe Ruhe. Ich begreife, welchen Stellenwert ich auf der Welt habe: keinen. Und gerade das macht mich dankbar. Alles, was ich erleben darf, ist ein Geschenk, nichts ist selbstverständlich. 

Eisbären sehe ich auf dieser Reise nicht.

Mona Vetsch (50) ist die kleine ganz Grosse der Schweizer Medienlandschaft: Die 1,55 Meter kleine Thurgauerin führte unter anderem 17 Jahre lang durch den Morgen auf Radio SRF 3. Mit Reisesendungen und Langzeitreportagen begeisterte sie ein Millionen-TV-Publikum, besonders die Auswandererdokumentation «Auf und davon» wurde Kult. Heute konzentriert sich Mona nicht minder erfolgreich auf Dokureihen wie «Mona mittendrin», moderiert Anlässe und Bühnenshows. Und pflegt ihre Hühner zu Hause in Zürich.

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