Im Fluss

Abenteuer & Outdoor
André Lüthi
10. Dezember 2025

Allein in der Wildnis: Zwei Abenteurer paddeln 450 Kilometer durch unberührte Natur, trotzen Stromschnellen und Bären – und finden das Glück.

Als Jack zum Abschied aus dem Fenster seines Wasserflugzeugs winkt, fühle ich das pure Glück. Ein Jahr lang haben Andy und ich auf diesen Moment hingearbeitet. Jetzt setzt uns der alte Pilot Jack mit seiner roten Baseballmütze mitten in der Wildnis ab – hunderte Kilometer sind es zurück in die Zivilisation.

Wir sind im Nordwesten Kanadas. Wir haben ein aufblasbares Expeditionskanu, 15 Armeekarten und Proviant für einen Monat dabei. Kein Handy, kein GPS, kein Satellitentelefon. Es ist Sommer 1990, und Andy Keller und ich wagen ein verrücktes Abenteuer: Wir wollen den weitgehend unbekannten Clearwater River im Kanu befahren – 450 Kilometer weit. Mit Jack haben wir nur eine einzige Abmachung: Sollte er nach fünf Wochen nichts von uns hören, macht er sich mit dem Flugzeug auf die Suche.

Wir schwanken zwischen Euphorie und grossem Respekt. Haben wir uns überschätzt? Ist es zu viel, was wir vorhaben? Wir sind jetzt definitiv zwei unbedeutende Winzlinge inmitten von Tausenden von Quadratkilometern unberührter, menschenleerer Natur. Alles ist ungewiss. Es ist diese Ungewissheit, die in uns auch ein Glücksgefühl auslöst – nur die Natur und wir zwei. Im Wissen darum, dass wir uns unterordnen müssen. Und gerade das zwingt uns zu höchster Vorsicht.

Wir paddeln los. Andy sitzt vorne und weicht mit Paddeleinsatz den Steinen aus, ich als erfahrener Kanute sitze als Steuermann hinter ihm und rufe ihm manchmal zu, wann und wie stark er paddeln soll, um mein Steuern zu unterstützen. Schritt für Schritt finden wir unseren Rhythmus. Wir leben in Demut und Respekt vor der Natur. Jeden Abend machen wir ein Feuer, das zum Lebensnerv wird. Und jeden Abend ziehen wir unsere Vorräte in Säcken zwischen die Bäume, gut drei Meter hoch. Würden wir sie im Zelt lagern, wären sie und vielleicht auch wir für die zahlreichen Bären ein gefundenes Fressen. Mehr als einmal kommen wir den Tieren ganz nah. Und mehr als einmal haben wir Glück, dass sie uns nicht noch näherkommen.

Die Expedition wird zu einer echten Lebensreise. Mal gleiten wir komplett entspannt über spiegelglatte Seen, nur um ein paar Momente später in Wildwasserpassagen buchstäblich ums Überleben zu kämpfen. Eine dieser sogenannten Rapids unterschätzen wir fatal. Das Wasser wirkt ruhig, bevor es links und rechts von einem riesigen Stein in die Tiefe schiesst und sich links in einer Wasserwalze und rechts in gewaltigen Wellen sammelt. Wir sind viel zu schnell unterwegs, um noch ans Ufer zu paddeln. Wir müssen da durch. «Links vom Stein, links, gerade rein!», schreie ich. Andy schreit zurück, panisch. Ich habe nur eines im Kopf: «Da müssen wir jetzt durch.» Dann reisst es uns hinunter. Die Spitze des Kanus taucht tief in die Walze ein. Ich sehe Andy nicht mehr. Das Wasser klatscht uns in die Gesichter, wir sind sekundenlang blind. Ich bete nur noch, dass die Bootsspitze wieder aus der Walze auftaucht. Das passiert, wir schaffen es. Mit letzter Kraft paddeln wir ans Ufer. Das hätte das Ende sein können.

Einen Monat später kommen wir glücklich, aber auch traurig in der Zivilisation an. Es ist vorbei. Im Hotelzimmer in Fort McMurray, von wo aus wir später die Heimreise antreten, wirken Wände und Decke wie ein Käfig. Ich fühle mich seltsam. Eingesperrt. Die Sehnsucht nach dem Leben in der Natur und der Ungewissheit… sie begleitet mich bis heute. Und wohl noch lange.

André Lüthi (65) ist Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group, die 13 Unternehmen umfasst. Zuvor leitete er jahrelang den Globetrotter Travel Service als Geschäftsführer. Er ist als Entdeckungsreisender in all den Jahren in die neue Rolle eines Unternehmers gewachsen und bezeichnet das als komplexe Gratwanderung, die er geniesse. Reisen, sagt er, sei und bleibe die beste Lebensschule. 

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