Vier Mountainbiker und ein Schneesturm

Abenteuer & Outdoor
Dany Gehrig
10. Dezember 2025

Schnee, Matsch, Lawinen – und grenzenloses Glück: Vier Biker entdecken, was Stärke und Teamgeist bedeuten.

Nach zweieinhalb Wochen im Himalaya gönnen wir uns zum ersten Mal ein Bad in den heissen Quellen am Weg. Beim Abendessen stossen wir auf das Gelingen unseres aussergewöhnlichen Projektes an. Wir sind da, um als Erste die härteste Trekking-Route im Himalaya mit dem Mountainbike zu absolvieren: den Snowman-Trek in Bhutan mit 16 Pässen bis zu 5500 Meter über Meer. Nur noch ein Pass, Juli La, 4700 m ü.M., steht vor unserem grossen Glück. Wir sind vier Biker mit einem bhutanischen Guide sowie zwei Horsemen, die sich um unsere Lasttiere kümmern. Ohne die Maultiere, die unser Gepäck, die Nahrung und die Zelte schleppen, hätten wir keine Chance.

Geträumt haben wir von der Abgeschiedenheit im Grenzgebiet zwischen Bhutan und Tibet, von strengen Aufstiegen und rauschenden Abfahrten. Von Begegnungen mit den einheimischen Hochlandbewohnern und ihren Yaks, die nicht dem Bruttoinlandprodukt nacheifern, sondern dem Bruttonationalglück.

Doch die letzten zweieinhalb Wochen waren alles andere als eine rauschende Bike-Tour. Der Monsunregen hatte sich weit in den Herbst ausgebreitet und die Wege in Schlammbäche verwandelt. Wir wateten kilometerlang durch den Matsch. Versuchten mit dem Bike auf dem Rücken von Stein zu Stein zu balancieren, damit unsere Schuhe nicht ganz in der Kloake versinken. Zum Glück schien der Monsun nach fünf Tagen ausgeregnet zu sein. Die 7000er-Gipfel leuchteten frisch gepudert am stahlblauen Himmel, als für uns der Aufstieg ins Hochgebirge anstand. Wir trotzten den ersten Anzeichen von Höhenkrankheit, meisterten verblockte Abfahrten – und fanden wieder Sinn darin, das Bike überhaupt mitgenommen zu haben.

Nun also sitzen wir in den heissen Quellen von Duer Tsachu, erschöpft, aber stolz auf das Erlebte. Vor uns ein langer Aufstieg von fast 1500 Metern, dann noch zwei Tage runterrollen bis zum Ziel in Dhur. So schlafen wir reingewaschen und zufrieden ein.

Mitten in der Nacht aber weckt mich das Prasseln des Regens, der nicht mehr aufhören will. Sintflutartig fällt das Wasser, unsere beiden Freunde im Nachbarzelt flüchten ins Küchenzelt, ihr Zelt ist überschwemmt. Wenn diese Wassermenge weiter oben als Schnee fällt, fürchte ich, wird der Weg zugedeckt sein und die Maultiere können kaum gehen und kein Gras zum Fressen finden.

Am Morgen ist die Leichtigkeit des Abends einer sorgsamen Schwere gewichen. Wir packen unsere Sachen und ziehen schweigsam los in den Regen, das Bike vom ersten Meter an geschultert. Der Weg ist knöcheltiefer Matsch und die steilen Anstiege sind eine Rutschpartie, auch für die Maultiere. Mystischer Nebel zieht um die Bäume und versperrt die Sicht auf die Gipfel. Und tatsächlich: Bald verwandelt sich der Regen in grosse, feuchte Schneeflocken.

Unser Guide und die Horsemen werden unruhig, der Boden ist nun schneebedeckt. Keiner kennt den Weg und für die Maultiere gibt es kein Futter mehr. Wir hören, wie die ersten Lawinen hinab donnern, und schon bald bleiben die Maultiere im steilen Gelände und knietiefen Schnee stecken. Um zu überleben, müssen wir alle gemeinsam mit den Tieren und dem Gepäck durchkommen. Als wäre das Bike auf den Schultern nicht genug Last, spuren wir nun im Zickzack den Hang hinauf, damit die Maultiere uns folgen können. Über Stunden wechseln wir uns beim Spuren ab, suchen den Weg und versuchen, uns die Angst nicht anmerken zu lassen. Bis wir endlich die Gebetsfahnen erblicken, die den Pass markieren.

Im Schneesturm wird aber auch der Abstieg zum Kampf. Ich lasse den Horsemen den Vortritt. Doch keiner rührt sich. Vor uns ein Felsriegel und dahinter rutschen die Nassschneelawinen talwärts. Wir realisieren, dass die Einheimischen keine Ahnung von der Wegführung haben, geschweige denn, sich im Hochgebirge mit hoher Lawinengefahr auskennen. So bleibt uns nichts anderes übrig als den Durchschlupf durch den Felsriegel zu finden, damit die Maultiere absteigen können. Wir müssen dem Schnee entkommen und wieder Gras für die Maultiere finden, vorher gibt es keine Rast. Als wir zwölf harte Stunden später unsere durchnässten Zelte auf einer Wiese aufstellen können, dämmert es bereits. Wir sind erschöpft und erleichtert.

Alles ist jetzt egal, wir spüren nichts mehr. Ausser dem grossen Glück – gemeinsam haben wir es irgendwie geschafft, den letzten Pass und damit den Snowman-Trek. Bedingungslose Gemeinschaft macht Unmögliches möglich – mit dieser Gewissheit breitet sich in der Nässe des Schlafsacks eine grosse Wärme, ein grosser Frieden aus.Glück ist kein Zustand – Glück ist das zu schätzen, was ist.

Dany Gehrig (55) ist CEO der Globetrotter Travel Service AG und entdeckt leidenschaftlich die Gebirge der Welt kletternd, bergsteigend oder meist bikend. Insbesondere sind ihm Nepal und Bhutan mit ihren buddhistisch geprägten Kulturen ans Herz gewachsen.

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