Schlaflos im Sandsturm

Abenteuer & Outdoor
Joël Roth
19. Dezember 2025

Eine Nacht im Wüstensand: Ein Erlebnis zwischen Chaos und Staunen.

Nachts in der Wüste von Marokko, an Schlaf ist nicht zu denken. Der Wind bläst so stark, dass wir uns mit dem Rücken gegen das kleine Zweierzelt stemmen, um es vor dem Kollaps zu bewahren. Die kaputten Reissverschlüsse flattern im Wind, während feiner Wüstensand ins Zelt rieselt. Drinnen entsteht langsam ein Sandkasten. 

Der Sturm tobt derart laut, dass wir unsere Freunde und marokkanischen Guides, die nur wenige Meter entfernt lagern, nicht hören können. Erst als Guide Lahsen frühmorgens in der Dämmerung neben unserem Zelt steht, erfahren wir, dass ihr Zelt eingestürzt ist und wir nun aufbrechen müssen. Der Schal ums Gesicht hilft kaum – der Sand klebt überall, in Augen, Nase und Mund. Wir wünschen uns Taucher- oder Skibrillen, aber wer denkt schon an Taucherbrillen, wenn er in die Wüste reist? 

Sonst hat es uns in den letzten Tagen aber an nichts gefehlt. Unsere tollen Guides, nebst Lahsen sind das Omar und Hussein, versorgten uns während des Trekkings mit Sandbrot, Tajine und Desert-Pizza. Sie erklärten uns die Wunder der Wüste, während die Dromedare unser Gepäck trugen. Wir hätten zwar auch reiten können, doch nach zehn Minuten im schaukelnden Sattel steigt eine Übelkeit hoch, als wäre man auf hoher See. Also doch lieber zu Fuss. Neben Omar in seinen viel zu kleinen Flipflops kamen wir Schweizer uns in unseren brandneuen Trekkingschuhen ziemlich overequipped vor. Lahsen zeigte uns Spuren vom Wüstenfuchs Fennek, von Igeln, Gazellen und Skorpionen. Wir gingen über Sand, Steine, vorbei an knorrigen Bäumen und durch wilde Rucolawiesen, deren Blüten unsere Hosen gelb färben. Die Wüste ist überraschend abwechslungsreich und viel lebendiger, als wir erwartet haben. Am fünften Tag erreichten wir dann die grossen Dünen, wo wir im Wind zum letzten Mal unsere Zelte aufgeschlagen haben. Und wo nun diese schlaflose Sturmnacht folgte. 

Der Wüstensturm tobt auch am nächsten Morgen noch, als uns ein von Lahsen organisierter Jeep abholt. Dieser bringt uns in ein nahegelegenes Luxus-Camp, wo wir, wie so oft in Marokko, erst mal viel zu süssen Tee trinken. Danach kämpfen wir uns weiter durch den Sturm zurück in Richtung Zivilisation. Die Sicht ist so schlecht, dass kaum eine Fahrspur zu erkennen ist – Himmel und Boden sind ein einziger Sandvorhang. Wir fahren querfeldein und müssen mehrmals aussteigen und anschieben, weil der Jeep im Sand stecken bleibt.  

Und dann bricht auch noch die Lenkachse. Lahsen telefoniert sich durch die Sahara, bis ein neues Fahrzeug organisiert ist. Wie der neue Fahrer uns ohne jede Sicht im Sand findet, bleibt ein Rätsel. Schliesslich geht die Reise weiter, bis wir ein Dorf erreichen und bei einer sehr netten Familie unterkommen. Dort sitzen wir windgeschützt bei einem weiteren Glas Tee und essen Datteln. Wir sind dankbar für die Gastfreundschaft, das wilde Wüstenerlebnis – und vor allem dafür, dass wir nun keinen Sand mehr zwischen den Zähnen haben.

Joël Roth (33) arbeitet als selbständiger Illustrator in St. Gallen. Am liebsten reist er zu Fuss oder per Velo – und immer mit einem Skizzenbuch im Gepäck. 

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