Die Schönheit der Strapazen

Abenteuer & Outdoor
Natascha Panzera
15. Oktober 2026

Bolivien, 2025. Der Weg zur weltbekannten Salzwüste ist kein Zuckerschlecken. Und genau deshalb so bereichernd.

Morgens um 5 Uhr. Es ist dunkel, es ist kalt, und eigentlich hätte man uns schon vor zehn Minuten abholen sollen. Wir warten, blicken in den sternenübersäten Himmel und fragen uns, ob überhaupt noch jemand auftaucht. Und weshalb wir freiwillig um 4.30 Uhr aufstehen. Eigentlich ist Sommer, doch auf dieser Höhe ist davon wenig zu spüren.

Schliesslich sammelt uns ein Geländewagen ein und bringt uns zur Grenze. Nur ist die leider noch geschlossen. Also warten wir wieder in der Kälte. Da hat sich das frühe Aufstehen ja gelohnt.

Kaum in Bolivien angekommen, beginnt das Abenteuer. Bereits am ersten Tag geht es von 2900 auf über 5000 Meter über Meer. Mit dem 4×4 fahren wir durch das Hochland, oft ohne Strassen, ohne Wegweiser, in einer Landschaft, die immer unwirklicher scheint. Wir passieren Lagunen in allen Farben: milchig blau, türkis, grün und sogar tiefrot. Rotes Wasser! Ich traue meinen Augen kaum.

Dazu kommen dampfende Geysire, die fürchterlich riechen und mich gleichzeitig wahnsinnig faszinieren. Das sind die Momente, in denen man begreift, wieso man die Strapazen des Reisens überhaupt auf sich nimmt. Auch die Tierwelt begeistert mich. Wir sehen Lamas, Alpakas, Guanakos und Vikunjas. Vikunjas sind wie Lamas, nur kleiner und noch niedlicher. Am liebsten würde ich eines mit nach Hause nehmen.

Nicht zum Programm auf dieser Tour gehört Komfort. Der 4×4 sorgt mit jedem Schlagloch für eine kostenlose Ganzkörpermassage, und wer auf die Toilette muss, findet seine «Inka-Toilette» irgendwo hinter einem Busch. Abenteuerluxus auf bolivianische Art.

Der Höhepunkt folgt mit dem Salar de Uyuni, der weltbekannten Salzwüste. Erneut klingelt der Wecker um 4 Uhr morgens. Es ist eisig kalt. Wie gesagt: Reisen ist kein Zuckerschlecken. Doch als wir über die endlose weisse Fläche fahren und sich der Horizont langsam auflöst, sind Müdigkeit und Kälte vergessen. Für einen Moment fühle ich mich eher wie in einem Skigebiet, bis mitten in der Salzwüste eine kleine Kakteeninsel auftaucht. Mit diesem beeindruckenden und wunderschönen Naturspektakel endet diese Tour.

Sie hat mir wegen der Höhe Kopfschmerzen bereitet, und trotzdem würde ich sie sofort wieder machen. Denn eine gute Reise zeichnet sich nicht dadurch aus, dass die ganze Zeit alles perfekt ist. Beim Reisen merke ich, wie widerstandsfähig ich eigentlich bin und wie wenig ich brauche, um glücklich zu sein. Und zwischendurch werde ich überwältigt von Natur, Kultur, anderen Menschen und mir selbst. Reisen ist wie das Leben: unperfekt und genau deshalb so bereichernd. 

Natascha Panzera (26) ist Studentin aus Homburg TG und reist leidenschaftlich gerne. Zwischendurch darfs auch perfekt sein.

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