Fast vom Winde verweht

Reisepannen & Krisen
Thomas Steiner
10. Juni 2026

Mauritius, 2025. In Bangkok kann man kaum atmen. In Mauritius droht ein Zyklon. Dazwischen: Ein Visum-Schock, Traumstrände und DJ Bobo.

Es ist ein Traum, den wir uns selbst erfüllen: Als Backpacker reisen wir 14 Monate durch Südostasien, Mauritius und Europa. Nach neun Monaten in Indonesien, Vietnam, Laos, Kambodscha und Malaysia legen wir einen Zwischenhalt in Bangkok ein. Die Luftverschmutzung ist dort so stark, dass wir spontan beschliessen, nach Mauritius weiterzureisen.

Gesagt, getan: Flug gebucht und voller Vorfreude in Bangkok am Check-in angestanden. Unser Flug führt über Bangalore in Indien, der Aufenthalt dort dauert nur drei Stunden. Am Check-in fragt ein Mitarbeiter nach unserem Visum für Indien. Wir winken ab, das sei nur ein Transit. Der Herr widerspricht nett, aber bestimmt. Schliesslich ist es sein Vorgesetzter, der zu unserem Entsetzen bestätigt: Ohne Visum dürfen wir nicht fliegen.

Nach so vielen Reisen sind wir offenbar etwas zu sorglos geworden. Was wir übersehen haben: In Bangalore müssen wir unser Gepäck neu einchecken und damit den Transitbereich verlassen. Was für ein Frust, es fliessen Tränen. Die reguläre Bearbeitungszeit für ein Visum beträgt fünf bis sieben Tage. Noch am Flughafen stellen wir einen unverschämt teuren Express-Antrag. Zum Glück trifft das Visum bereits einen Tag später ein und wir können endlich nach Mauritius reisen.

Die Insel zieht uns sofort in ihren Bann. Traumhafte Strände, üppige Natur und herzliche Menschen machen Mauritius zu einem kleinen Paradies. Wir machen in klapprigen Bussen des lokalen ÖV Ausflüge zu den Siebenfarbigen Erden und zum Whale Watching. Fahrpläne gibt es praktisch keine, Haltestellen erkennt man meist nur dank der Hilfe freundlicher Einheimischer. Im Bus läuft laute Musik, die Fahrgäste singen fröhlich mit. Als plötzlich ein Song von DJ Bobo erklingt, stimmen wir lachend kurzerhand ein.

Doch die Unbeschwertheit endet abrupt. Ein Taxifahrer informiert uns, dass ein Zyklon der Stufe 3 bis 4 auf Mauritius zusteuert und spät in der Nacht auf Land treffen soll. Wir wohnen in Flic en Flac, nur wenige Schritte vom Meer entfernt. Die Behörden verhängen eine Ausgangssperre, das öffentliche Leben kommt zum Stillstand.

An Schlaf ist nicht zu denken, einen sicheren Keller gibt es nicht. Stattdessen verfolgen wir die ganze Nacht auf einer Wetter-App den Kurs des Zyklons und lenken uns zwischendurch mit Uno-Spielen ab. Kurz vor dem Erreichen der Küste dreht der Sturm ab und zieht weiter Richtung La Réunion. Dort richtet er schwere Schäden an und fordert sogar Menschenleben.

Dieses Erlebnis macht uns demütig. Innerhalb weniger Tage erleben wir, wie schnell aus Vorfreude Frust, aus Sorglosigkeit Angst und aus Angst grosse Dankbarkeit werden kann. Seither informieren wir uns vor jeder Reise noch genauer über Wetterlagen, mögliche Risiken und Visabestimmungen – vor allem bei Flügen mit Zwischenlandungen.

Thomas Steiner (66), Pensionär aus Gelterkinden BL und Nadja (43), die sich für die Reise eine Auszeit von der Langzeitpflege gegönnt hat, freuen sich bereits auf ihren nächsten Trip – inklusive unerwarteter Wendungen.

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