Magische Umwege
Zwei Kulturen, ein Herz, ein Paradies: Ein spontaner Inselwechsel bringt das Liebesglück.
Weisser Sand unter den Füssen, glasklares Wasser, das in allen Blautönen schimmert, und eine erstaunliche Unterwasserwelt – die Malediven verschlagen mir die Sprache. Im Herbst 2017 bin ich zum ersten Mal da und so fasziniert, dass ich ein Jahr später gleich wieder hinreise.
Alles sollte so werden wie beim ersten Mal, dasselbe Hotel, dieselbe Insel. Doch kurz vor der Anreise erfahre ich, dass das gebuchte Hotel renoviert wird und bis zu meiner Abreise geschlossen bleibt. Enttäuscht weiche ich spontan auf eine andere Insel aus. Was ich damals nicht weiss: Es ist die beste Wendung meines Lebens.
Denn dort begegne ich Miru. Er arbeitet als Gästebetreuer im Hotel und gefällt mir sofort. Doch er wirkt schüchtern und ist vielbeschäftigt, ich sehe ihn kaum – bis eines Abends miese Magie das Eis bricht. Ein Kollege von Miru unterhält uns mit Zaubertricks, es sind ganz schlechte Tricks, ich spiele trotzdem mit und schummle ein bisschen. Miru beobachtet das Ganze und durchschaut mich sofort. Wir lachen uns schlapp.
Schon in den ersten Gesprächen merken wir: Wir ticken gleich. Derselbe Humor, ein vertrautes Gefühl, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir tauschen Nummern aus, telefonieren jeden Tag, stundenlang. Es ist blindes Verständnis und mehr als Freundschaft, aber keine klar definierte Beziehung.
Mein rationaler Schweizer Kopf flüstert mir regelmässig zu: Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Die Sprache! Die Religion! Und dann erst die Distanz! Doch die Sehnsucht ist stärker, immer wieder reise ich zu Miru auf die Malediven, in mein Paradies.
Nach vier Jahren kommt er erstmals zu mir, in die Schweiz. Vor seiner Ankunft bin ich nervös, stelle mir viele Fragen. Würde es ihm gefallen? Könnte er sich ein Leben hier vorstellen? Die Antwort ist einfach: ja.
Ein halbes Jahr später, zurück auf den Malediven, macht er mir einen Heiratsantrag – auf einem Jetski, scherzend: «Wenn du Nein sagst, musst du ans Ufer schwimmen.» Ich lache, und auch meine Antwort ist: ja. Mit dem Herzen, trotz aller Bedenken.
Nach viel Papierkram und noch mehr Geduld, Sorgen und Unsicherheiten kommt Miru endlich zu mir – mit einem einzigen Koffer, der zur Hälfte mit maledivischem Thunfisch gefüllt ist.
Am 09.09.2023 feiern wir eine unvergessliche Hochzeit mit Familie und Freunden in der Schweiz. Ein Jahr später heiraten wir erneut, mit seiner Familie, auf den Malediven. Zwei Welten, zwei Kulturen, eine Geschichte.
Heute weiss ich: Es hat sich alles gelohnt. Ich habe jetzt eine zweite Familie im Paradies und vor allem einen mutigen, liebevollen Mann an meiner Seite, mit dem ich nicht nur mein Leben, sondern auch meine Reiselust teilen darf – und ziemlich viel Thunfisch. Kurz: «Wenn dir jemand sagt, die Liebe sei ganz nah – lach höflich und pack den Koffer!»
Patrizia Zimmermann (31) ist Travel Agent beim Globetrotter Travel Service in Basel. Das Reisen ist ihre grosse Leidenschaft, und sie liebt es, ihre Begeisterung für die Welt mit anderen zu teilen – egal ob in der Schweiz, auf den Malediven oder sonst irgendwo.