Blockiert Im Paradies

Begegnungen & Menschen
Sonja Stucki
15. Januar 2026

Französisch Polynesien, 2021. Aus der Not entstehen oft die speziellsten Begegnungen.

Ich lausche den Ukulele-Klängen und bin froh, dass etwas Heiterkeit aufkommt. Denn die Stimmung ist angespannt. Wir alle warten darauf, von diesem Traumort wegzukommen.

Ich bin hier vor ein paar Tagen gelandet, mitten im Südpazifik, auf einer winzigen Insel von Französisch-Polynesien. Schnorchelte mit Mantarochen, paddelte durch türkisfarbene Lagunen und bestaunte vom Hausberg aus die schönste Szenerie meines Lebens. Als es Zeit war, zur nächsten Insel weiterzufliegen, nahm ich das Boot zum Flugplatz. Kaum angekommen, öffnete der Himmel seine Schleusen. 

Nun rast hier ein Feuerwehrauto hin und her auf der rund 1100 Meter kurzen Landepiste, die quer über die Koralleninsel führt. Die Leute um mich herum sprechen wild durcheinander, und da mein Französisch limitiert ist, dauert es, bis ich begreife, was vor sich geht: Das Feuerwehrauto testet mit seinem Stop-and-Go das Bremsverhalten auf der nassen Piste. Solange zu viel Wasser liegt, kann hier kein Flugzeug starten oder landen.

Unter dem Blechdach – dem provisorischen Flughafengebäude – wird es eng. Immer mehr Passagiere drängen sich zusammen, alle hoffen auf den nächsten Flug. Plötzlich geht ein Ruck durch die Menge: Am Horizont brechen zwei Lichter durch die Wolken – Landeanflug! Gebannt schauen wir zu, innerlich bete ich. Als das Flugzeug tatsächlich aufsetzt, jubeln und klatschen die Leute. Danke, Tāwhiri, Gott des Windes und der Stürme, dass der Regen kurz pausiert hat. 

Doch meine Freude währt nur kurz: Der Flug ist für andere Passagiere bestimmt. Ich bleibe zurück. Es wird dunkel. Nach über fünf Stunden Warten macht sich Resignation breit. Offizielle Informationen gibt es keine, aber mir wird klar: Heute geht nichts mehr. Wohin nun? Mein hübsches Strandbungalow ist schon neu vermietet. Die wenigen Unterkünfte auf der Insel sind seit Monaten ausgebucht. 

Ich hole mein Gepäck, spreche planlos Leute an, um in irgendeiner Form Hilfe zu erhalten. Eine Frau bemerkt meine Verzweiflung und weist mich an, beim hintersten Boot zu warten. Sie wollte Gäste abholen, die nun auch nicht gekommen sind – und so nimmt sie kurzerhand mich mit auf ihre Insel. 

Wieder einmal zeigt sich: Aus der Not entstehen auf Reisen oft die speziellsten Begegnungen. Ich erfahre an diesem Abend herzliche polynesische Gastfreundschaft. Und als ich schlafen gehe, empfinde ich grosse Dankbarkeit, ein Bett zu haben, auch wenn ich jede einzelne Latte durch die Matratze spüre.

Am Morgen ist das Wetter nicht besser, das Bangen beginnt von Neuem, doch diesmal klappt es. Ich fliege zur Hauptinsel zurück und besteige dort rechtzeitig das Schiff – dem nächsten Inselabenteuer entgegen.

Sonja Stucki (54) arbeitet als Reiseberaterin und Stv. Filialleiterin beim Globetrotter Travel Service in Thun. Ihr Herz schlägt für schöne Landschaften – für diese nimmt sie auf Reisen gerne auch Anstrengungen und Unsicherheiten in Kauf.

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