Mit 56 Jahren Da fängt das Leben an

Begegnungen & Menschen
Franziska Riesen
20. Mai 2026

Costa Rica, 2024. Als Neo-Single mit einer unbekannten Reisegruppe nach Mittelamerika? Eine Erfahrung zwischen Panik und Befreiung.

Ende 2023 geht meine langjährige Beziehung in die Brüche. Plötzlich muss ich mich in vielen Bereichen neu orientieren – auch beim Reisen. Ich bin 56 und kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal alleine unterwegs gewesen bin. Drei Jahrzehnte lang ist Reisen etwas gewesen, das man zu zweit plant. Costa Rica hätte eigentlich unser nächstes gemeinsames Abenteuer werden sollen. 

Voller Optimismus beginne ich zu googeln: Single-Reisen, Gruppenreisen, Reisen für Alleinstehende. Doch je länger ich suche, desto ernüchterter bin ich. Zu teuer, zu jung, zu laut, zu viel Party. Irgendwann fühle ich mich nicht nur nicht angesprochen, sondern fast ausgeschlossen. Als hätte die Welt beschlossen, dass Menschen meiner Generation nicht mehr alleine reisen sollten. Ich spüre, wie ich innerlich kleiner werde. 

Dann erinnere ich mich an die Australien-Reise meines Sohnes und daran, wie begeistert er von Globetrotter erzählt hat. Also klicke ich mich zögerlich durch die Website – und auch dort habe ich zunächst das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Ich komme mir vor wie jemand, der heimlich versucht, in eine Welt zurückzukehren, aus der er längst herausgewachsen sein sollte.  

Trotzdem nehme ich all meinen Mut zusammen und gehe in eine Filiale. Meine erste Frage ist beinahe peinlich direkt: «Kann ich mit 56 überhaupt bei Ihnen buchen?» Die Antwort lautet schlicht: «Yes, you can.»  

Diese drei kleinen Wörter fühlen sich wie eine Befreiung an. Ich will nicht zum alten Eisen gehören. Ich will leben. Und ich will nach Costa Rica. 

Gemeinsam mit der Reiseberaterin stelle ich eine dreiwöchige Gruppenreise mit geteiltem Doppelzimmer zusammen. Doch als das definitive Programm per Mail kommt, überrollen mich Zweifel, Angst und Panik. Was, wenn ich nicht in die Gruppe passe? Was, wenn mir etwas passiert? Ist das Programm zu anstrengend? Wie teile ich ein Zimmer mit einer fremden Person? 

Je länger ich darüber nachdenke, desto lauter werden diese Stimmen. Mein Sohn braucht Wochen, um mich zu beruhigen. Die tiefe Unsicherheit bleibt: Ich bin nicht die Richtige für dieses Abenteuer. Trotzdem steige ich ins Flugzeug. Und es ist die beste Entscheidung meines Lebens. 

Ich verbringe drei Wochen voller Staunen, Lachen und neuer Freundschaften. Seit Jahren habe ich nicht mehr so viele echte, glückliche Momente erlebt. Ja, viele Mitreisende sind jünger – aber niemanden kümmert das. Wenn man etwas unternehmen will, findet man sofort jemanden. Und wenn man alleine sein möchte, ist das genauso okay. Wobei ich diese Rückzugsmomente kaum brauche – die Welt dort draussen ist einfach zu schön. 

Diese Reise verändert mich. Sie zeigt mir, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst loszugehen. Und dass man niemals zu alt ist, um sich selbst wiederzufinden.

Franziska Riesen (59) wohnt in Evilard BE und arbeitet als Marketing-Assistentin. Sie ist weiterhin voller Energie unterwegs – und manchmal emotionaler, als ihr lieb ist.

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