Als Matrose in der Arztsuite

Begegnungen & Menschen
Walo Kamm
19. Dezember 2025

Ein junger Weltenbummler hat 1973 kein Geld für die Heimreise mehr. Dann kommt ein Frachtschiff. Und eine wichtige Lektion fürs Leben.

Herbst 1973, Buenos Aires. Ich bin seit zwei Jahren in Südamerika unterwegs. Ein Weltenbummel, wie man damals sagt. Irgendwann ist klar, dass ich jetzt zurück nach Europa muss. Es gibt nur ein Problem: Ich habe kein Geld für die Heimreise. 

Ich klopfe also bei Stellen an, bei denen man in solch einer Lage eben anklopft. Frage nach Unterstützung, nach einer Lösung, nach irgendeiner Möglichkeit. Viel kommt nicht heraus dabei. Über Umwege ergibt sich dann aber eine Chance. 

Man vermittelt mir eine Überfahrt auf einem Frachtschiff der Hamburg Süd. Von Buenos Aires via Santos nach Rotterdam. Gratis. Nicht als Passagier, sondern als sogenannter Deckhand, offiziell als Matrose. Papierkram gehört dazu, irgendein Ausweis braucht es, weil auf Schiffen die Regeln strikt und die Gewerkschaften stark sind. 

Und klar: Wenn man so mitfährt, arbeitet man auch. Ich mache Deckarbeiten, schraube, streiche, helfe dort, wo man mich braucht. Es ist nichts Glamouröses, aber fair. 

Unfair ist nur einer: der Bootsmann, der Chef der Matrosen. Er schikaniert mich von Anfang an. Ich weiss bis heute nicht, wieso. Er ist gereizt, aggressiv, und irgendwann droht er mir sogar, er werfe mich nachts über Bord. Ich nehme das ernst. Auf einem Schiff ist ein solcher Satz nicht einfach ein Spruch. 

Also gehe ich zum Kapitän. Und der reagiert sofort. Er sagt sinngemäss, ich müsse keine Angst haben, der Bootsmann sei oft betrunken und rede dann gross. Damit belässt es der Kapitän aber nicht: Er zieht mich von der Arbeit weg und holt mich aus der engen Matrosenkajüte. Stattdessen gibt er mir die leere Arztkabine, weil kein Schiffsarzt an Bord ist. Für mich ist die Kabine wie eine kleine Suite: Platz, Ruhe, eine Tür, die man hinter sich schliessen kann. 

Die letzten acht Tage verbringe ich dort. Und ich esse fünfmal am Tag. Reichlich. Gut. Als wir in Rotterdam ankommen, bin ich sechs oder sieben Kilo schwerer als bei der Abreise. 

Ich bin wieder in Europa. Und ich weiss jetzt: Manchmal rettet dich nicht der perfekte Plan. Sondern ein Zufall, ein Platz auf einem Schiff. Und ein Kapitän, der genau hinschaut.

Walo Kamm (84) ist Globetrotter-Gründer: 1974 Club, 1976 Travel Service, 1982 Magazin, 2005 mit André Lüthi die Holdingfirma Globetrotter Group mit zurzeit 13 Reiseunternehmen. Er ist noch immer aktiv im Unternehmen tätig. Walo schrieb zwei Bücher und gründete zwei gemeinnützige Stiftungen. Zudem ist er als Executive Producer an zehn Schweizer Kinofilmen beteiligt, vor allem Dokumentationen mit sozialem und spirituellem Engagement. 

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