Perfektes Happy End auf Glatteis

Begegnungen & Menschen
Susanne Schneider
03. Juni 2026

USA, 2013. New York zur Weihnachtszeit kann ganz schön berauschend sein – auch ohne Drogen.

Mein heutiger Ehemann Chris und ich sind frisch verliebt, als wir zum ersten Mal gemeinsam nach New York reisen. Das ist inzwischen 15 Jahre her. Wir tauchen ein in die New Yorker Weihnachtsmagie: dampfende Strassen in der Eiseskälte, Christmas-Carol-Singer an jeder Ecke und herrlich amerikanisch-kitschige Dekorationen. Wir sind berauscht von dieser Stadt. Doch die Tage vergehen viel zu schnell, und bald hat uns der Alltag zu Hause wieder.

Für uns ist klar: Das wollen wir irgendwann wiederholen. Fünf Jahre später schlägt Chris vor, mit einem befreundeten Paar über Neujahr erneut nach New York zu reisen. Die Flüge sind schnell gebucht, Chris übernimmt das Ausfüllen unserer ESTA-Formulare zur Einreise in die USA. Beim Überfliegen meines Formulars entdecke ich entsetzt, dass bei der Frage «Konsumieren Sie Drogen?» ein «Ja» angekreuzt ist. Chris grinst nur und meint, das sei ein Scherz gewesen, er werde es sofort korrigieren.

Zwei Wochen vor der Reise ruft er mich während der Arbeit an: Mein ESTA-Antrag sei wegen Drogenkonsums abgelehnt worden – er habe vergessen, das Kreuz anzupassen und das Formular tatsächlich so abgeschickt. Ich schlucke kurz und teile ihm mit, dass er dieses Problem nun bitte selbst lösen dürfe. Bis heute weiss ich nicht genau, wie er es geschafft hat, aber einige Tage später ist meine Einreise doch noch genehmigt.

Am 29. Dezember steigen wir ins Flugzeug nach New York, schon mit leichtem Bammel vor der Einreisekontrolle. Doch alles verläuft problemlos – kein Drogentest, keine kritischen Fragen. Welcome again to New York! Und New York zeigt sich von seiner schönsten Seite: In der Altjahrswoche schneit es, die Stadt wirkt wie ein romantischer Weihnachtsfilm. Wir spazieren über die verschneite High Line, laufen frierend über die Brooklyn Bridge und geniessen die festliche Stimmung.

Chris schlägt am nächsten Tag vor, im Bryant Park eislaufen zu gehen. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen – ich bin keine Eisprinzessin, und Chris bewegt sich auf Schlittschuhen wie Bambi auf Glatteis. Doch ich lasse mich überreden, zumal auch unsere Freunde unbedingt hinwollen.

Kaum auf der Eisbahn, bin ich von der tollen Stimmung überrascht: Die Eisbahn ist voller Lichter, Musik und lachender Menschen. Während ich vorsichtig meine Runden drehe, kämpft Chris sichtlich mit dem Gleichgewicht – bis er prompt auf den Knien landet. Irgendwann merke ich: Er versucht gar nicht wieder aufzustehen.

Stattdessen kniet er mitten auf dem Eis vor mir, umgeben von glitzernden Weihnachtslichtern und applaudierenden Touristen, und ich brauche viel zu lange, um zu begreifen, dass das kein Sturz ist, sondern ein Heiratsantrag. Unsere Freunde filmen längst alles, die Leute rundherum jubeln – und ich stehe völlig überwältigt auf dem Eis. So bekam ich meinen Heiratsantrag zur Weihnachtszeit in New York: leicht chaotisch, grandios kitschig und absolut perfekt. PS. Ich habe Ja gesagt!

Susanne Schneider (50) arbeitet als Reiseberaterin beim Globetrotter Travel Service in Biel/Bienne und ist seit 2014 glücklich verheiratet. Sie tanzt gerne Salsa und liebt es, neue Orte zu entdecken – und altbekannte nochmals zu erleben.

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