Glück in der Liebe Pech im Timing
USA, 1996. Alles ist aufgegleist für die grosse Reise mit der besten Freundin. Doch an der Abschiedsparty funkt jemand dazwischen.
Meine Freundin Manuela und ich sind seit Monaten daran, eine USA-Reise zu planen. Nun ist alles gebucht: Wir wollen mit einem dreimonatigen Sprachaufenthalt in San Diego starten, machen dann zwei Wochen Rundreise durch Kalifornien, dann drei Wochen Hawaii und zwei Wochen Florida. Und schliesslich ein paar Tage in New York City. Fast ein halbes Jahr Reisefreiheit pur, wir wollen es so richtig krachen lassen!
Ein paar Wochen vor der Abreise organisiere ich eine Abschiedsparty für meine Freunde. Im Laufe des Abends kommt meine Schwester mit einem Kollegen vorbei – und da schlägt er gnadenlos zu, der Pfeil des Amor: Liebe auf den ersten Blick! Und das ausgerechnet kurz vor Amerika.
Manuela und ich freuen uns riesig auf diese Auszeit, darauf, einmal ganz auf uns allein gestellt zu sein. Andererseits bin ich jetzt bis über beide Ohren in diesen Kollegen meiner Schwester verliebt und will nicht fort von ihm. Eine echte Gefühlsachterbahn!
Ich begebe mich auf die Reise und versuche gleichzeitig, irgendwie die Nähe zu ihm zu halten – mit teuren Telefongesprächen, unzähligen Briefen und Faxen – ja, Faxen! Heute geht das natürlich wesentlich einfacher und günstiger. Trotz des schlechten Timings ist unsere Zeit in den USA unbeschwert und einmalig.
Nach sechs Monaten unterwegs können Patrick und ich – so heisst dieser Kollege – uns ganz der Liebe frönen. Heute, 30 Jahre später, sind wir noch immer zusammen und haben zwei tolle Töchter. Die ältere, Samira, hat letztes Jahr zwei Monate in San Diego verbracht. Dank der Handy-Funktion «Wo ist?» wusste ich jederzeit, wo sie sich befindet. Wie sich das Reisen doch verändert hat. Damals wusste oft tagelang niemand, wo wir gerade waren. Und im Flugzeug durfte man noch rauchen.
Das Wesentliche ist allerdings gleichgeblieben: Andere Länder entdecken, Menschen und Kulturen kennenlernen. Was ebenfalls unverändert gilt: Die kulinarischen Spezialitäten eines Landes schmecken vor Ort einfach am besten. Und all die Erinnerungen und Eindrücke – unbezahlbar! Da nimmt man auch mal heftigen Herzschmerz in Kauf.
Sandra Strebel (51) aus Mühlau AG ist Mutter von zwei Töchtern und arbeitet im HR und in der Buchhaltung und liebt es, in die Ferien zu verreisen. Für sie gehören dabei gutes Essen und leckeren Rotwein dazu wie das Zähneputzen.