Supermond am Himmel Vollgas am Atlantik

Begegnungen & Menschen
Dominique Burkert
26. Juni 2026

Kirgistan/Marokko, 2025. Auf Reisen hoch zu Ross zwischen Trauer und Freiheit – bis sich der Kreis in einem Stall schliesst.

2025 wird mein persönliches Jahr des Pferdes. Nach acht Jahren voller positiver Verrücktheit – mit drei Schwangerschaften, drei Kindern und dem Schritt in die Selbstständigkeit – gehe ich endlich wieder auf Reisen. Und zwar ganz alleine.

Die Mongolei steht schon lange ganz oben auf meiner Wunschliste. Dann ploppt plötzlich eine Reitreise nach Kirgistan auf meinem Bildschirm auf. Ich fasse mir ein Herz und bitte meinen Mann, knapp zwei Wochen lang Kinder und Betrieb allein zu stemmen. Also packe ich meinen Rucksack und mache mich im Juli auf den Weg.

Es wird eine unglaubliche, berührende und kraftvolle Reise. Da ich die erfahrenste Reiterin der Gruppe bin, bekomme ich den jungen, schnellen Albino «Besh Yldys» zugeteilt. Sein Name stammt aus dem Kirgisischen und bedeutet «fünf Sterne» – und genau so fühlt er sich an. Dieses zauberhafte Pferd trägt mich über steile Pässe, durch Regen und Sonne, bergauf und bergab.

Gemeinsam ziehen wir durch unberührte Landschaften, die sich ständig verändern und doch immer dieselbe Weite und Ruhe ausstrahlen. Mein Tank füllt sich innert kürzester Zeit wieder auf. Es gibt kaum Ablenkungen ausser unzählige Edelweisse und Wiedehopfe.

Zurück zu Hause buche ich sofort die nächste Reise: Reiten und Yoga in Marokko. Bevor es nach Marokko geht, muss ich eine unglaublich schwere Entscheidung treffen: Ich verabschiede meinen treuen Wallach Maverick. Seit meinem zehnten Lebensjahr begleitet er mich. Er ist mein bester Zuhörer während der Teenagerzeit und weit darüber hinaus. Auf seiner sonnigen Morgenweide, umgeben von seinen Ponyfreundinnen, wird er im Alter von 32 Jahren – das entspricht etwa 97 Menschenjahren – friedlich eingeschläfert. Am Abend steht ein Supermond am Himmel.

Im November reite ich dann mit einem temperamentvollen Fuchshengst und einer Gruppe erfahrener Reiterinnen entlang der Atlantikküste von Marokko. Wir übernachten in Zelten und verträumten Riads, essen wie Königinnen und praktizieren Yoga unter freiem Himmel. Der Fuchshengst heisst Folkass – für mich steht er für «voll krass» oder «Vollgas». Kaum ein Name könnte diese Reise besser beschreiben.

Der Stall in Marokko nimmt gerne Pferdegeschirr und Putzzeug entgegen. So bringe ich Mavericks nicht mehr benötigtes Halfter mit. Für mich schliesst sich damit ein Kreis. Von allen Pferden, die mich auf meinen Reisen begleiten, schneide ich einige Haarsträhnen ab. Daraus möchte ich später ein Schmuckstück anfertigen lassen. Ich werde diese grossartigen Krafttiere damit immer mit mir tragen, so wie sie mich getragen haben, im Leben und auf Reisen.

Dominique Burkert (41) ist Inhaberin des Eventgasthofs EBERG in Dulliken SO und – wenn sie nicht gerade auf einer Reitreise ist, gerne draussen im Wald. 

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