Ein Klopfen in der Nacht
Warum man auf Safari zum Nachtessen besser auf Fleisch verzichtet.
Wir sind mit unserem 4x4 mit Dachzelt im südlichen Afrika unterwegs. In den nächsten Wochen wollen wir die Nationalparks im Norden Botswanas erkunden: Chobe, Linyanti, Savute, Khwai, Moremi und das Okavango-Delta.
Nun liegt eine Woche Safari liegt vor uns – keine Menschen, keine Tankstelle, kein Internet, keine Einkaufsmöglichkeiten. Nur pure Natur, sandige Pisten und hoffentlich unzählige Tierbegegnungen. In Kasane haben wir Lebensmittel, Wasser und Diesel aufgefüllt. Wir sind bereit und fühlen uns ein bisschen wie Könige.
Doch die ersten zwei Tage enttäuschen: Kaum ein Tier lässt sich blicken. Nach Stunden auf staubigen Pisten erreichen wir bei Einbruch der Dämmerung unseren Campingplatz – natürlich, wie in Botswana üblich, ohne schützenden Zaun.
Wir starten den Grill, reden über die Erlebnisse des Tages und essen unsere Steaks im Schein der Stirnlampen. Plötzlich spüre ich ein Klopfen an meiner Schulter. Mein Kollege kann es nicht gewesen sein – der sitzt mir ja gegenüber. Im nächsten Moment sehe ich eine Hyäne, die versucht, mir das Steak direkt vom Teller zu stehlen.
Mit einem riesigen Schreck springen wir samt Tellern ins sichere Auto. Durch die Scheiben beobachten wir, wie die Hyäne ihren nächtlichen Streifzug über den Platz fortsetzt.
Wir sitzen eine ganze Weile im Auto mit den Tellern auf den Knien und begreifen allmählich, wie unvernünftig wir waren. Da klopft es erneut. Diesmal an der Autoscheibe, draussen steht eine südafrikanische Familie. «Are you ok, guys?», fragen sie lachend. Sie kennen das nächtliche Schauspiel längst – und waren deutlich besser vorbereitet. Hyänen, erzählen sie, seien nicht gefährlich, nur listig. Immer auf der Suche nach dem besten Abendessen.
Erst später, geschützt im Dachzelt, wird mir bewusst, in welche Gefahr wir uns mit dieser Nachlässigkeit gebracht haben. Am nächsten Morgen setzen wir unsere Safari fort, dankbar für das Erlebte und vor allem dafür, überlebt zu haben. Und ja: Ab sofort essen wir das Fleisch zum Zmittag und die Beilagen zum Znacht.
Daniel Faust (58) ist Filialleiter beim Globetrotter Travel Service in Rapperswil. Nach einer ersten Familienreise nach Südafrika hat ihn das Afrika-Fieber gepackt – dem konnten auch hungrige Hyänen in Botswana nicht anhaben. Das nächste Abenteuer führt ihn nach Zimbabwe.