Sprung ins Ungewisse Und mitten ins Leben
Kolumbien, 2020. Ein Plan, der eigentlich gar nicht existiert, wird durchkreuzt – und führt schliesslich ans Ziel.
Manchmal beginnt eine Reise nicht mit Vorfreude, sondern mit Unzufriedenheit. Zuhause fühlt sich plötzlich alles eng an. Ich kündige den Job, breche die Weiterbildung ab, verkaufe das Auto und vermiete meine Wohnung. Ohne klaren Plan, aber mit starkem innerem Drang entscheide ich mich kurzfristig für eine Destination, buche einen Flug – und sitze vier Tage später allein im Flieger nach Cartagena, Kolumbien. Auf meinem Flugzeugsitz liegt die Patrone einer Schusswaffe. Ein schlechtes Omen? Rückblickend eher der symbolische Startschuss in ein Abenteuer, das mein Leben bereichern sollte.
Fünf wunderbare Wochen verbringe ich an der Karibikküste Kolumbiens. In Rincón del Mar kaufe ich frischen Fisch direkt vom Fischerboot, barfuss im Sand. Die Reise führt über Santa Marta, Palomino und Costeño Beach weiter bis nach Cabo de la Vela: endlose Traumstrände, türkisfarbenes Meer, Wind, Weite – und einfache, herzliche Backpacker-Unterkünfte, die genau das bieten, was es braucht: wenig Luxus, viel Echtheit. In Barranquilla feiere ich mit neu gewonnenen Freunden den farbenfrohen Karneval, tanzend, lachend und getragen von einer Lebensfreude, die ansteckend ist.
Im Anschluss geht es allein weiter nach Cali. 30 Stunden Busfahrt quer durchs Land – und dann der Einschnitt: Corona-Lockdown. Aus Tagen werden Wochen, aus Wochen Monate. Vier Monate lang bin ich in einem geschlossenen Hostel eingesperrt. Was zuerst bleierner Stillstand bedeutet, wird zur unerwarteten Chance: In der zweiten Hälfte meiner Zeit in Quarantäne nehme ich täglich privaten Salsa-Unterricht. Bewegung, Musik und Nähe zur Kultur helfen, den Fokus zu halten und Freude zu finden.
Es folgen vier weitere Monate in einem geschlossenen Ashram, an einem traumhaften Ort. Tägliches Yoga, Meditation und eine tiefe innere Ruhe prägen diese Zeit. Obwohl es weiterhin verboten ist, seinen Standort zu verlassen, verspüre ich kein Bedürfnis danach. Ich bin genau dort, wo ich sein sollte.
Nach insgesamt acht Monaten öffnen die Flughäfen wieder. Ich nutze die Gelegenheit, um nach Europa zurückzukehren – reich an Erfahrungen, Begegnungen und innerer Klarheit. Diese Reise begann mit einem Sprung ins Ungewisse und wird zum Geschenk: Sie zeigt mir, wie viel entsteht, wenn man loslässt und vertraut.
Francesca Drosi (39) wohnt in Rapperswil SG und arbeitet als Jobcoach. Ob im Alltag oder auf Reisen: Sie ist gerne auf Entdeckung der Welt und von sich selbst – gerne auch planlos.