Gefühlsachterbahn in den Tiefen des Pazifiks

Natur & Tiere
Christine Keller
10. Dezember 2025

Ein berauschender Flirt mit der Fischwelt – und ein heikler Moment am Riffhaken.

Zischend entweicht die Luft unserer Tarierwesten, blubbernd sinken wir in die Tiefen des Pazifiks. Seit ein paar Tagen tauchen mein Mann Roland und ich im Inselreich von Palau, abgelegen in Mikronesien. Jetzt peilen wir den Tauchplatz «Blue Corner» an, bekannt für seine starken Strömungen, die Unmengen an Fischen anlocken.

Ich bin aufgeregt und freue mich. Gleichzeitig ist da Neugier und Respekt. Ein prickelnder Gefühlscocktail!

Durch das offene Meer tauchen wir dem Riffplateau auf rund 18 Metern Tiefe entgegen. An der Riffkante drückt die Strömung heftig und würde uns ohne ständiges Flossenschlagen wegspülen. Tapfer kämpfen wir uns vor, ich gerate ausser Atem.

An meiner Tauchweste hängt ein Riffhaken, damit soll ich mich nahe an der Riffkante an einem toten Korallenblock einhaken. Ich bin angespannt, denn ich habe das noch nie gemacht. Doch es klappt.

Wie Fahnen im Wind hängen wir nun an unseren Leinen in der reissenden Strömung und können endlich entspannen. Ich blicke nach rechts, und schon ist es mit meiner Entspannung vorbei – Roland ringt mit seiner Flosse. Das Band schlabbert lose im Wasser, die Schnalle lässt sich nicht mehr schliessen. Mist, was nun? Mein Herz hämmert, meine Gedanken spulen. In dieser heftigen Strömung ist nur eine Flosse eindeutig eine zu wenig.

Wie kann ich ihm nur helfen? Zum Glück dreht sich unser Tauchguide Mitch in diesem Moment zu mir, ich gebe ihm ein Zeichen. Geschickt hilft er meinem Buddy aus seiner Notlage. Grosse Erleichterung!

Unterdessen läuft der Action-Film um uns herum weiter. Die Hauptdarsteller sind die Grossfische: Dutzende von Haien gleiten elegant und erstaunlich nah an uns vorbei, ihre kleinen Knopfaugen treffen meine. Ich habe Hühnerhaut und bin überwältigt.

Silbern schillernde Barrakudas zeigen furchterregend ihre spitzen Zähne. Noch nie habe ich so viele dieser anmutigen Raubfische auf einmal gesehen. Nervenkitzel pur. Es gibt unzählige Hingucker, beherzt flirte ich mit der bunten Fischwelt. Ein grosser Schwarm tanzender Makrelen und ein mächtiger Napoleonfisch versüssen das Spektakel. Die Flossen von massenhaft farbigen kleinen Fischen flattern nervös im ziehenden Strom – sie sind die kleinen Stars. Mein Taucherherz schlägt Purzelbäume.

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Wir lösen unsere Haken, und sofort greift uns die Strömung und trägt uns sanft davon. Glücklich strecke ich meinen Kopf aus dem Wasser und ziehe mich an der Leiter hoch ins Boot. Umgeben von grünen Inseln und türkisfarbenem Meer fegen wir heiter gestimmt über das in der Sonne glitzernde Wasser. Palau ist berauschend – unter wie über Wasser.  

Christine Keller (54) ist Reiseberaterin beim Globetrotter Travel Service in Winterthur und in Wil SG zuhause. Sie liebt es, abzutauchen – in exotische Unterwasserwelten ebenso wie in fremde Kulturen. Und darüber schreibt sie gerne in ihrem Reiseblog: inderweltdaheim.ch

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