Schulbus mit Flossen

Natur & Tiere
Michel Schelker
19. Dezember 2025

Seekrank, verzweifelt – und dann taucht plötzlich ein Walhai auf.

Es ist 2020, meine Partnerin und ich reisen durch Australien. Im Ningaloo Reef im Westen des Landes ist die Chance gross, Walhaie zu sehen. Klar, dass wir unbedingt eine solche Tour machen wollen. Das ist eine aufwendige Sache: Im Wasserflugzeug halten Späher Ausschau und dirigieren das Boot mit den Touristen in jene Richtung, in der sie die Tiere sehen. Eine Garantie, Walhaie zu sehen, gibt es nicht.  

Die Organisation, mit der wir unterwegs sind, ist cool, wir buchen eine Halb-Touri-Halb-Forschungstour. Es gibt nur ein Problem: Ich werde seekrank, und das habe ich erst in Westaustralien rausgefunden. Auf der gleichen Reise war ich auf einer Orca-Tour und habe von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends nur erbrochen. Ich wollte sterben, ehrlich. 

Und jetzt also die Walhaitour. Die schulbusgrossen Tiere lassen sich nicht blicken, dafür liege ich schon nach relativ kurzer Zeit auf allen Vieren auf Deck und will sterben, schon wieder. Eigentlich will ich mich ertränken. 

Als wir schon auf dem Rückweg sind, kreuzen wir einen grossen Knäuel kleiner Fische, die Australier sagen «Baitfish». Es ist eine Art Köderhaufen, der Raubfische wie Haie anzieht. Die Crew fragt, ob jemand von uns mit Haien schwimmen möchte – als kleines Trostpflaster für die nicht gesehenen Walhaie. Blöderweise wird meine Partnerin überhaupt nicht seekrank. Sie ist hochmotiviert. Natürlich. Und ich? Male mir aus, dass meine Seekrankheit verschwindet, wenn ich ins Wasser springe.  

Das stimmt leider nicht. Mir bleibt im Wasser kotzübel. Und weil Haie allein schwimmende Menschen leicht für Beute halten können, bleibt mir nichts anderes übrig, als in der Mitte der Gruppe zu bleiben. Gleichzeitig erbreche ich quasi in einem fort ins Wasser – und entwickle Todesangst. Denn was ist das Dümmste, was man tun kann, wenn man mit Haien im Wasser ist? Genau: sie zu füttern. 

Auf einmal bricht Hektik aus. Aber nicht wegen mir, dem kotzenden Schweizer. Aus dem Nichts taucht ein Walhai auf. Direkt vor uns rauscht das gigantische Tier durchs Wasser. Sechs, sieben Meter Sicherheitsabstand müsse man stets einhalten, hiess es beim Briefing. Jetzt schwimmt dieser Schulbus mit Flossen direkt vor uns, von oben stechen Vögel ins Wasser, weiter unten schwimmen Haie. Plötzlich taucht ein zweiter Walhai auf, dann noch ein dritter. Die Crewmitglieder drehen komplett durch, so etwas haben auch sie noch nie gesehen. Der Kapitän, der seit 30 Jahren solche Touren veranstaltet, hat Tränen in den Augen. Ich bekomme Hühnerhaut, wenn ich daran zurückdenke.  

Nach etwa 15 Minuten im kompletten emotionalen Chaos fragt die Crew, wer zurück aufs Boot will. Ich will. Ich bin am Ende. Erschöpft und geflasht und überglücklich.  

Auf dem Rückweg ist mir nicht mehr übel.

Michel Schelker (33) ist Morgenmoderator bei Radio Energy Bern, präsentiert zusammen mit Simon Moser TV-Shows, legt als DJ in Clubs und Stadien auf und erzählt Woche für Woche über sein Leben im Podcast «Die Sprechstunde». Wie nahe völlige Verzweiflung und grösste Freude liegen, erzählt er auch in dieser Reisestory.

www.michelschelker.ch

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