Can I Help You?
Australien, 2023. Ausgesperrt in Rainbow Beach – eine Geschichte über australische Gastfreundschaft.
Wir – Papa Reto, Mama Chrigä, Sohn Sven (15) und Tochter Sina (12) – erfüllen uns einen Traum: sechs Wochen Australien! Wir fahren die Great Ocean Road entlang, vorbei an den Zwölf Aposteln, fliegen über das Great Barrier Reef und erleben eine Westernshow im Outback mit Pferden und Planwagen. Auf Fraser Island begegnen wir Dingos, während unser Tourbus im Sand stecken bleibt. Wir erkunden Melbourne, Sydney, Brisbane und Cairns und überstehen eine stürmische Bootsfahrt mit Todesängsten zum traumhaften Whitehaven Beach. Im Outback fahren wir mit einem verrückten Aussie im 4x4 durch Staub und Buschland und beobachten Kängurus in freier Wildbahn.
Es gäbe noch unzählige Geschichten zu erzählen. Doch eine werden wir ganz sicher nie vergessen.
Sie spielt an der Ostküste, nördlich von Brisbane. Nach fast sieben Stunden Autofahrt erreichen wir erschöpft unser Airbnb in Rainbow Beach. Mit dem Geheimcode öffnen wir den Schlüsseltresor, schliessen die Wohnung auf und werfen einen ersten Blick hinein.
Danach rennen wir voller Vorfreude wieder hinunter zum Auto, um das Gepäck zu holen. Plötzlich hören wir einen sanften Knall. Hinter uns ist die Wohnungstür ins Schloss gefallen.
Das Handy von Reto, sein Portemonnaie und beide Wohnungsschlüssel – Original und Reserve – liegen auf dem Küchentisch. Uns bleibt nur noch der Autoschlüssel und mein Handy ohne Abo und ohne Navigation. Für einen Moment fühlen wir uns völlig hilflos.
Doch keine fünf Minuten später öffnet sich eine Tür im Untergeschoss. Eine freundliche Frau kommt mit ihrem Hund heraus und fragt: «Can I help you?» Wir schildern ihr unsere Situation. Wie es der Zufall will, kennt sie die Putzfrau unserer Unterkunft. Diese besitzt einen Ersatzschlüssel – wohnt aber eine Stunde entfernt.
Mit einer handgezeichneten Wegskizze fahren wir in stockdunkler Nacht los, finden die Putzfrau und holen den Schlüssel. Als wir zwei Stunden später zum Haus zurückkehren, werden wir wieder von der hilfsbereiten Frau empfangen. Sie hat extra auf uns gewartet, um sicherzugehen, dass wir es doch noch in die Wohnung schaffen.
Die sechs Wochen in diesem fantastischen Land gehen viel zu schnell vorbei. Und wir erfahren auch sonst so viel Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, dass wir am Ende mit dem Gefühl heimreisen, selbst ein Teil von Down Under geworden zu sein.
Christine Oertle (49) ist Floristin und Hausfrau aus Grossaffoltern BE. Gesund mit ihren Liebsten die Welt zu entdecken, ist für sie das schönste Geschenk der Welt.