Wildes Wechselbad in der Adria

Reisepannen & Krisen
Melanie Frey
31. Dezember 2025

Zwischen Bora-Warnung und Delfin-Idylle: Der Wind kann sehr schnell drehen in den Segelferien.

Schon der erste Abend im Hafen macht klar: Segeln ist kein Pauschalurlaub. Während wir Frauen und mein Freund mit Einkaufswagen durch den Laden eilen und alles für eine Woche auf See zusammensuchen, versinken die Männer im Chaos der Bootsübernahme. Überall suchen Crews ihre Schiffe, während zwei träge Mitarbeiter versuchen, die Masse abzufertigen. Als wir endlich unsere Stegnummer erhalten, ist es längst dunkel. Mit Taschenlampen irren wir fast zwei Stunden über Stege, bis wir unser Boot finden. Mit Pizza im Bauch und dem Partylärm junger Amerikaner rundherum schlafen wir irgendwann ein – ein erster Vorgeschmack darauf, dass diese Reise kaum planbar sein wird. 

Am nächsten Tag setzen wir endlich die Segel in der Adria. Zum ersten Mal spüre ich diese besondere Freiheit: das Rauschen des Wassers, die salzige Luft, die Sonne auf der Haut. Bald ankern wir in einer idyllischen Bucht. Grillen zirpen, das Meer plätschert sanft, alles scheint perfekt. Bis sich die Bucht in der schönsten Dämmerung plötzlich zu leeren beginnt. Kurz darauf schrillt auf unserem Boot ein Alarm los. Was passiert hier? Dann entdecken wir eine Bora-Warnung: Vorsicht vor dem berüchtigten Mittelmeerwind. Wir entscheiden, zu bleiben. Die Nacht bleibt still, abgesehen vom Bootsalarm. Was wir noch nicht wissen: Es ist ein Batteriealarm und wird uns jede Nacht begleiten. 

Wenige Tage später zeigt das Meer seine andere Seite. Wir sind in einer grossen Bucht, und als es Nacht wird, peitscht der Wind immer stärker. Der Wind reisst den Anker aus, die Landleine zieht uns immer näher zu den Felsen hin. Es sind Sekunden voller Hektik: Wir kappen die Leine und starten den Motor. Fast laufen wir auf. Stirnlampen flackern in der stockdunklen Bucht, Pfiffe überall. Auch andere Crews kämpfen gegen Wind und Strömung. Wir ankern erneut, diesmal mitten in der Bucht. Schlaf findet in dieser Nacht niemand. Es ist eine schmale Grenze zwischen Abenteuer und Gefahr. 

Der Sturm Tage später toppt alles. Blitze zerreissen den Himmel, es donnert und regnet. Plötzlich taucht ein kleines Boot neben uns auf. Ein Mann winkt verzweifelt, unter einer Decke kauert seine Frau mit einem kleinen Kind. Ihr Motor ist ausgefallen. Wir reichen bereits das Seil, als die Familie von einem einheimischen Boot gerettet wird. Zurück bleiben Erleichterung und Demut. Als sich das Wetter beruhigt, tauchen Delfine neben dem Bug auf.  

Diese ruhigen, magischen Momente gibt es immer wieder: Wir schwimmen im glasklaren Wasser, ankern in einsamen Buchten, ohne Empfang und Termine. Nur wir, das Schiff und das Meer. Doch die Reise bleibt bis zuletzt ein Wechselbad zwischen Freiheitsgefühl und Drama. Zurück im Hafen folgt die letzte Rettungsaktion: Eine Amerikanerin ist mit ihrem Kajak gekentert. Von einem Steg heben wir die unterkühlte Frau mit einer Badeleiter zurück an Land. Das Meer ist magisch – und unbarmherzig mit allen, die es unterschätzen. 

Melanie Frey (31) wohnt im Kanton St. Gallen und arbeitet als Projektleiterin Social Media beim Globetrotter Travel Service in Bern. Sie liebt fremde Kulturen und das Meer – auch wenn es hohe Wellen schlägt.

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