Überlebensmodus in Flip-Flops
Ein Funke, ein Sack voller Anzündwürfel – und plötzlich steht der ganze Garten in Flammen.
Es ist ein paar Jahre her, ich bin auf einem Buebereisli mit Fabien «Fäbu» Rohrer, dem bekannten Snowboarder. Wir sind in Südwesten Frankreichs, es ist Sommer, wir sind hier zum Skaten und Surfen.
Wir sind gerade in einer neuen Unterkunft angekommen, ein schmuckes Häuschen mit grossem Garten irgendwo in der Region um Arcachon. Fäbu und der Vermieter des Häuschens beschliessen gegen Abend, noch einmal aufs Meer rauszugehen, um zu surfen. Ich melde mich ab und richte aus, ich würde in der Zwischenzeit den Grill anwerfen und fürs Nachtessen besorgt sein.
Im Garten steht ein grosser Steingrill. Ich fange an, einzufeuern. Und dann beginnt die kurze, aber heftige Stressgeschichte: Unter dem Steingrill liegen Dutzende kleine Anzündwürfel in einem Sack, es sind andere, als wir sie in der Schweiz kennen, sie sehen aus wie Zuckerwürfel. Das sehe ich aber erst, als ich schon Feuer gemacht habe. Dann springt ein Funke auf diesen Sack, logisch. Scheisse, denke ich, das beginnt richtig zu brennen. Scheisse, ich fackle hier die ganze Hütte ab.
Aus Reflex kicke in den Sack mit den Anzündwürfeln. Keine gute Idee. All die kleinen Anzündwürfel, die schon glühen, verteilen sich in dem furztrockenen Garten mit Sträuchern und Büschen. An jeder Stelle beginnt es zu lodern. Ich bin alleine, gerade angekommen und habe keine Ahnung, wo was ist in diesem Haus. Ich schalte in den Überlebensmodus und fülle im Haus alle Gefässe, die ich finden kann mit Wasser. Ich eile heraus und lösche wie im Film. Immer, wenn ich einen Brandherd halbwegs im Griff habe, beginnt es nebenan zu lodern. Meine Füsse stecken in Flip-Flops, es glüht, ich verbrenne mir die Fusssohlen. Ich brauche am Schluss sogar die Milch im Kühlschrank zum Löschen.
Irgendwann habe ich es geschafft, das Feuer ist überall unter Kontrolle, die Hütte steht noch. Ich bin schweissgebadet, als die anderen vom Meer zurückkehren. Grillieren tun wir dann doch noch.
Und Fäbu erzähle ich erst Tage später, was passiert ist.
Simon Moser (45) ist seit über 20 Jahren Morgenshow-Host bei Energy Bern. Zusammen mit Michel Schelker präsentiert er auch TV-Shows und einen der erfolgreichsten Podcasts der Schweiz. Sein Feuer brennt nicht nur für die Medien, sondern manchmal auch auf Reisen, wie er in dieser Reisestory erzählt.