Zu viel Sand Im Niemandsland
Botswana, 2025. Was stampft da im Dunkeln? Nach einem anstrengenden Tag bietet auch die Nacht keine Ruhe. Aber fast mystische Momente.
«Pssst, was war das?» Äste knacken im Busch, dann schwere Schritte. Wir machen die Taschenlampe an. Der Lichtkegel tastet sich ins Dunkel, die Geräusche kommen näher, doch es ist nichts zu erkennen – noch nichts. Wir warten und lauschen in die Nacht hinein.
Rückblick auf einen ereignisreichen, anstrengenden Tag: Zuerst verfahren wir uns hoffnungslos. Die Strassen werden immer schlechter, bis unser Toyota Landcruiser im tiefen Sand steckenbleibt. Wir versuchen den Wagen freizubekommen, aber alle technischen Hilfsmittel versagen. So stecken wir fest, irgendwo in diesem Wildreservat. Jederzeit können Löwen, Büffel oder Elefanten auftauchen. Ein Auto taucht hingegen keines auf, unsere Hoffnung auf baldige Hilfe schwindet und die Stimmung ist zunehmend angespannt.
Nach gut einer Stunde hören wir ein tiefes Brummen, erst fern, dann immer näher. Es ist ein Lastwagen mit riesigen Rädern und Allradantrieb. Gott sei Dank! Zwei Einheimische mit breitem Grinsen ziehen unser fünf Tonnen schweres Geländefahrzeug fast mühelos aus dem tiefen Sand. Wir sind erleichtert und dankbar – und lachen schliesslich gemeinsam über den Vorfall.
Weiter geht die Reise, bald hinein in den Sonnenuntergang. Der Himmel verfärbt sich blutrot. Kurz vor dem Eindunkeln erreichen wir doch noch den Campingplatz. Nach einem köstlichen Stück Kudu vom Grill und Kartoffeln aus der Glut verziehen wir uns ins Dachzelt.
Allmählich verglimmt die letzte Glut unseres Lagerfeuers, als wir plötzlich von diesen Geräuschen aufgeschreckt werden: knackende Äste und schwere Schritte eben, immer näher, immer lauter. Wir halten den Atem an. Dann erkennen wir sie im Lichtkegel unserer Taschenlampe: Elefanten!
Auf dem Weg zum nahegelegenen Wasserloch streifen sie nur wenige Meter an unserem Standplatz vorbei. Unser Licht scheint sie nicht zu stören. Es ist ein besonderer Moment, fast mystisch. Und er wird noch spezieller: Knapp hinter den Elefanten folgt ein Büffel. Auch er scheint durstig zu sein.
Wir sind die einzigen Gäste auf diesem Campingplatz und vermutlich die einzigen Menschen im Umkreis von rund 60 Kilometern. Selbst das Gate, eine Autostunde entfernt, ist unbesetzt. Fühlt sich das verlassen an? Ja, irgendwie schon. Aber wir sind nicht allein. Die ganze Nacht hindurch hören wir sie, die Stimmen Botswanas. Rascheln, Rufen, Grunzen, ferne Bewegungen im Dunkeln: Wildnis pur in einer Nacht, die sich für immer in unser Gedächtnis brennt.
Erich Glarner (63) ist selbständiger Kaufmann und Aussendienstler aus Heimenschwand BE – und bei bester Gesundheit mit dem Afrika-Virus infiziert.