Pinguine ohne Termindruck

Natur & Tiere
Patrick Jahn
10. Juli 2026

Südafrika, 2024. Zwischen Warten und Staunen: Eine Reise im Rhythmus von wilden Tieren.

Endlich ist der Tag gekommen: Meine lang ersehnte Reise nach Südafrika beginnt. Doch die Euphorie erhält am Flughafen von Kapstadt schnell einen Dämpfer. Stundenlang warte ich in stickiger Luft und werde immer ungeduldiger. Zwischen Warteschlangen, Stempeln und müden Gesichtern spüre ich jedoch: Das ist erst der Anfang eines grossen Abenteuers.

Mit dem Stempel im Reisepass geht es zum Mietwagen, meinem vermeintlichen Zuhause für die nächsten zwei Wochen. Doch die Alarmanlage heult ununterbrochen auf. Nach einem Fahrzeugwechsel kann die Reise endlich beginnen. Ich wage mich in den Linksverkehr und starte meinen Roadtrip entlang der Garden Route.
Schon am nächsten Tag erfüllt sich ein Traum. Am Boulders Beach beobachte ich Pinguine. Einige schwimmen im Meer, andere stehen dicht beieinander am Strand. Die Tiere watscheln gemütlich und ohne Terminplan durch die Landschaft.

Mein Zeitplan hingegen ist eng getaktet. Ich fahre weiter zum Kap der Guten Hoffnung. Dort bläst der Wind so stark, dass ich die Autotür kaum öffnen kann. Schliesslich stehe ich mitten im Sturm und geniesse den Moment.

Ein Höhepunkt folgt auf den nächsten. Auf meiner ersten Safari komme ich wilden Tieren so nah wie nie zuvor. Besonders berührt mich die Begegnung mit Elefanten, die ich sogar füttern darf. Ich spüre Ehrfurcht, Dankbarkeit und dieses kindliche Staunen, das Reisen manchmal auslöst, ohne Vorwarnung.

Doch nicht jeder Moment ist leicht. Stundenlang fahre ich über endlose Schotterstrassen. Staub, Monotonie, Müdigkeit. Plötzlich entdecke ich ein Schild mit einer Giraffe. Neugierig folge ich dem Wegweiser und lande auf einer Giraffenfarm. Kurz darauf halte ich eine Flasche in der Hand und füttere ein Giraffenbaby – ein unvergesslicher Moment.

Noch vor Sonnenaufgang geht es weiter auf die Erdmännchen-Tour. Die Luft ist kühl, meine Augen sind müde, wir warten und warten. Als die kleinen Tiere in der Weite der Landschaft tatsächlich auftauchen, entsteht einer dieser stillen Höhepunkte, die man nicht fotografieren muss, um sie für immer in Erinnerung zu behalten.

Am nächsten Tag droht starker Regen meine Pläne zu durchkreuzen. Doch kurz vor Beginn der Tour reisst der Himmel auf. Ich bin ganz aufgeregt – heute darf ich Löwen füttern. «Rooooarr»: Ich höre ihren Begrüssungsruf bis heute. Im einen Augenblick ziehen sie majestätisch durchs Gehege, im nächsten sind sie verspielt wie Hauskatzen.

Viel zu schnell vergehen die zwei Wochen. Mit Tränen in den Augen fahre ich zurück zum Flughafen, der Koffer voller Erinnerungen und tierischen Begegnungen. Südafrika ist eine Achterbahnfahrt – zwischen Warten und Staunen, Erschöpfung und Glück, Ehrfurcht und Freude.  

Patrick Jahn (32) ist Produktionsexperte aus Dormagen in der Nähe von Düsseldorf – und begeisterter Reisender mit einer Schwäche für Tiere.

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