Ist Tofo Beach Nur ein Gerücht?
Mosambik, 2005. 500 Kilometer im Klapperbus, ein Gummihammer, Züri West und ein Bier, das den Kopf klärt.
4 Uhr morgens an einem Tag im Mai. An der Busstation von Maputo suche ich den Bus nach Tofo Beach. Unzählige Menschen sind auf den Beinen. Während allerhand Waren mit ihren neuen Besitzern den Weg in die Dörfer Mosambiks finden, bin ich die einzige Reisende aus Abenteuerlust. Wie so oft: Im Voraus erscheint etwas – mir zu beweisen, dass ich auch allein durch Afrika reisen kann – als gute Idee. Doch bei der Umsetzung gibt es Bauchgrummeln und Selbstvorwürfe: Worauf habe ich mich da eingelassen?
Hilft nichts, ich sitze jetzt in diesem Bus, der 500 Kilometer überwinden und mich an einen Ort bringen soll, wo ich nach einem Jahr auf Overland-Tour durch Afrika entspannen, tauchen und mich gedanklich damit anfreunden will, dass es bald nach Hause geht. Ich habe mir mit dieser Reise einen lang gehegten Traum erfüllt und sollte inzwischen eigentlich mit den Unwägbarkeiten hier gelassen umgehen. Sollte.
Die erste Panne gibt es nach 30 Minuten Fahrt. Bestimmt gäbe es zahlreiche Werkzeuge, um das Problem zu lösen. Der Fahrer entscheidet sich für einen Gummihammer. Der noch ein paar weitere Male zum Einsatz kommt – es wird eine lange Fahrt. Ich versuche, möglichst alle Körperfunktionen herunterzufahren, um nicht plötzlich bei einem Toilettenstopp vergessen zu werden. Wo wir sind, wie weit es noch geht – alles verschwimmt. Züri West kommt mir in den Sinn, und ich singe leise: «Amerika isch nume es Grücht.» Was, wenn es mit Tofo Beach genauso ist?
Glücklicherweise nicht. Aber meine Hoffnung, bei Tageslicht anzukommen, zerschlägt sich. Es ist zwar erst etwa 19 Uhr, als wir eintreffen, aber bereits stockdunkel. Sofort nach dem Aussteigen bin ich von einer Gruppe junger Männer umringt, die es sich nicht nehmen lässt, mich zu meiner Unterkunft zu führen. Mitten in dieser Gruppe, auf einem sandigen Weg ins Nichts, spielt mein Kopfkino verrückt. Grinsend fragen sie: «Are you scared?». Ich antworte entschieden mit «No» – was weder sie noch mich überzeugt. Als ich schliesslich auf dem Campingplatz ankomme und die Männer zuerst vom Camping-Betreiber und dann von mir ihren «Lohn» erhalten, verabschieden sie sich mit lachenden Gesichtern.
Später stehe ich mit einem kalten Bier in der Hand an der Bar und realisiere, dass die schlimmsten Szenarien meist nur in unserem Kopf stattfinden. Das rufe ich mir seit diesem Tag in Mosambik in Erinnerung, wenn meine Gedanken wieder Kapriolen schlagen. Mein Aufenthalt wird zu einer wunderbaren und prägenden Erfahrung, die selbst 20 Jahre später nachhallt. Es war eben doch eine gute Idee, alleine durch Afrika zu reisen!
Gabriela Köhli (55) ist selbständige Interims-Managerin im Bereich Unternehmensfinanzen und wohnt in Bern. Daneben entdeckt sie gerne andere Kulturen, Menschen und Gerichte – denn die Welt, sagt sie, ist gross, schön und faszinierend.