Der erste Flug Gleich nach Amerika
USA, 1970. Wie ein junger Schweizer Bursche plötzlich zum Skilehrer für Piloten in Alaska wird – und sich trotzdem einer das Bein bricht.
Ein Inserat aus Amerika: Gesucht wird ein Skilehrer für eine internationale Skischule. Die Entscheidung fällt sofort: Ja. Abreise am 4. November.
Treffpunkt ist der Bahnhof Basel. Drei junge Schweizer nehmen den Zug nach Luxemburg. Im Gepäck: ein Skisack mit zwei Paar Skiern, Stöcken und Skischuhen, dazu ein Koffer und ein Rucksack.
In Luxemburg die erste Überraschung. Der Abflug verschiebt sich um zwölf Stunden, alle Passagiere werden in ein Hotel gebracht. Am nächsten Tag geht es mit einem Charterflug nach New York. Der Weiterflug nach Boston wird abgesagt, obwohl mein Koffer bereits eingecheckt ist – der ist also weg. Ich schlafe in der Flughafenhalle. Am nächsten Tag legt ein Schneesturm den Flugverkehr lahm – zweite Nacht in der Abflughalle. Dann endlich startet unser Flug nach Boston, direkt in ein Monstergewitter. Das Flugzeug wird von tausenden Blitzen umgeben, geht rauf und runter. Todesangst. Nach der Landung die nächste Überraschung: Mein Koffer steht nach zwei Tagen einfach beim Exit mitten in der Halle. Ich bin total beeindruckt.
Weiter geht die Reise nach Loon Mountain in New Hampshire. Bereits am nächsten Tag stehe ich vor meiner ersten Skischulklasse – ohne Englischkenntnisse. Die Sprache lerne ich schnell. Es wird eine tolle Zeit mit jungen Skirennfahrern und Gästen. Irgendwann werden Piloten und Stewardessen der Eastern Airlines auf mich aufmerksam. Sie suchen einen Trainer zur Vorbereitung für das internationale Airline-Rennen in Alaska und nehmen mich kurzerhand mit.
Die Reise führt von Boston über St. Louis und Seattle nach Anchorage. In die Flugzeuge werde ich jeweils durch die Hintertür eingeschleust, fast wie ein blinder Passagier. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Flug von Seattle nach Anchorage bleibt unvergesslich: die Küste mit ihren Gletschern, die verschneiten Berge rund um den Mt. Alyeska, wie im Märchen.
Als dann das Rennen stattfindet, stürzt der Chefpilot. Offener Beinbruch. Gleichzeitig stecke ich eine Stunde auf dem Sessellift fest. Scheisse.
Ich fliege zurück nach Seattle, fahre Ski über Tacoma nach Crystal Mountain. Der Blick auf den mächtigen Mt. Rainier bleibt unvergesslich. Schliesslich geht es über St. Louis zurück nach Boston. Welch ein Erlebnis für einen 22-jährigen Burschen!
Kurt Mathys (78) wohnt in Oberhofen BE und hat seinen Text als Einzigen handgeschrieben eingereicht.