Der Himmel ist Nah im Himalaya

Reisepannen & Krisen
Andreas Hutter
25. März 2026

Pakistan, 1994. Ein fröhlicher Abend mit reichlich Wodka und einer folgenschweren Unachtsamkeit führt beinahe ins Desaster.

Ich verlasse die Mongolei mit Wehmut. Trotz fehlender Sprache hatte ich dort Nähe gefunden. China hingegen stresst mich vom ersten Moment an. Ürümqi, Kashgar – alles ist funktional, aber laut und kalt. Ich will nur noch weg, weiter nach Pakistan.

Für 45 Dollar kaufe ich mir ein chinesisches Fahrrad und rede mir ein, die Reise vom Khunjerab-Pass nach Gilgit in Pakistan werde eine entspannte Talfahrt. Schon am ersten Tag lösen sich Bremsen und Pedale, gleichzeitig setzt mir die Hitze massiv zu. Ich schwitze nach jedem Essen, kann kaum schlafen und spüre, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich ignoriere es.

In Gilgit angekommen, verkaufe ich das Rad und fahre weiter nach Skardu. Eigentlich will ich zu den Trango Towers wandern, doch stattdessen kommen Bauchkrämpfe und permanenter Durchfall. Als ich genauer hinsehe, trifft mich der Schock: tausende Würmer. Der Arzt fragt beiläufig, ob ich rohes Fleisch gegessen habe. In der Mongolei hatte ich aus Unachtsamkeit rohes Hackfleisch gegessen und die Nacht mit viel zu viel Wodka beendet. Damals dachte ich, der Alkohol sei schuld gewesen.

Ich bekomme Tabletten und Ruhe verordnet – und bin optimistisch, damit sei das Problem erledigt. Mit meinem Freund Christian ziehe ich weiter Richtung Askole. Die Strasse ist verschüttet, ich erbreche nur noch Blut und Schleim, doch ich rede mir ein, es werde schon gehen. Auf dem Gletscher kommt der Zusammenbruch: Lähmungen, Atemnot, Schwindel. Nach zwei Tagen im Zelt auf dem endlosen Gletscher wird mir klar, dass ich hier sterben werde, wenn ich es nicht zurückschaffe.

Mit letztem Überlebenswillen schleppe ich mich zur Strasse. Im Jeep verliere ich das Bewusstsein und lande schliesslich in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Die Diagnose: zwei Wurmarten und Amöben. Es folgt eine brutale Medikamentenkur, mein Gewicht fällt auf 48 Kilo. Mein Körper ist ausgelaugt, aber ich lebe.

Ich reise weiter nach Indien, regeneriere langsam und plane eine mehrmonatige Trekkingtour mit eigenem Pferd durch Ladakh und Zanskar. Doch die Krankheit bleibt mein ständiger Begleiter. Immer wieder kehrt sie zurück, raubt mir Kraft. Trotz allem erlebe ich mit meinem treuen Pferd Robby unglaubliche Abenteuer. Als ich schliesslich nach Hause zurückkehre, wiege ich wieder 52 Kilo. Die Parasiten sind besiegt, aber mein Körper hat nichts vergessen. Noch Jahre später reagiert mein Magen empfindlich – als leise, aber hartnäckige Erinnerung daran, wie nah Abenteuer und Selbstzerstörung beieinanderliegen. 

Andreas Hutter (61) gründete 2001 die Eventagentur Explora, von 2005 bis 2024 war er Geschäftsführer der Explora Events AG. Der leidenschaftliche Fotograf hat seinen gelernten Beruf als Elektroniker früh an den Nagel gehängt, sich zu Touren auf der ganzen Welt aufgemacht und seine Erlebnisse in Live-Reportagen erzählt. Daneben schieb er Bücher und Reportagen über seine Abenteuer.

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