Wenn der Kühlschrank Brennt statt kühlt
Dominikanische Republik, 2025. Drei Freunde gönnen sich zum Ferienstart einen Cuba Libre – bis plötzlich Flammen aus ihrem Hotelzimmer aufsteigen.
«Lasst uns den Karibikurlaub mit einem Apéro beginnen», sagte mein Freund. Es ist mitten am Nachmittag, wir sind vor 30 Minuten in unserem Hotel angekommen und voller Vorfreude auf zwei Wochen Sonne, Meer und Ausflüge in die Berge im Inselinnern. Drei Freunde, die dem Alltag entfliehen, wandern, lachen und leben wollen.
Also Apéro! Wir stellen rasch unsere Koffer ins Zimmer, waschen uns den Staub der Reise aus dem Gesicht und setzen uns in den Patio. Vor uns ein Cuba Libre, Eiswürfel klirren im Glas, irgendwo rascheln Blätter im leichten Wind. Einer dieser perfekten Ankunftsmomente.
Dann rieche ich es. Zuerst ist es nur ein Hauch von etwas Verbranntem, kaum wahrnehmbar. Einer meiner Freunde runzelt die Stirn. «Riecht ihr das auch?»
Sekunden später sehen wir es auch: Rauch, der aus einem der oberen Fenster quillt. Grau zuerst, dann dunkler, dichter, bedrohlich schwarz. Mein Zimmer.
Wir rennen los. Mein Herz hämmert in der Brust, jeder Schritt scheint zu langsam. Als wir die Tür aufreissen, schlägt uns Hitze entgegen. Die Flammen gehen vom kleinen Kühlschrank im Zimmer aus und kriechen von dort an der Wand empor.
Der Feuerlöscher, den ein Hotelangestellter bringt, versagt. Ein erstickendes Klicken, sonst nichts. Panik steigt in mir auf, doch sie verwandelt sich schnell in eine klare, fast kalte Entschlossenheit. Hinter dem Haus entdecken wir einen Gartenschlauch. Wir ziehen ihn ans Zimmer. Wasser zischt auf den Flammen, Dampf hüllt uns ein. Minuten fühlen sich wie Stunden an – bis das Feuer schliesslich nachgibt.
Als es vorbei ist, bleibt nur ein schwarzes, tropfendes Gerippe meines Zimmers. Mein Koffer: verbrannt. Kleidung, Ausrüstung – alles zerstört. Alles, bis auf das, was ich am Leib trage, sowie die kleine Tasche mit Geld und Pass, die ich auf das Bett gelegt hatte und die vom Feuer verschont bleibt. Glück im Unglück, es ist nur ein Sachschaden. Was, wenn das Feuer in der Nacht ausgebrochen wäre? Wie wir später erfahren, hat wohl ein Defekt in der Elektroinstallation des Kühlschranks einen Kurzschluss verursacht.
Schon am nächsten Tag kann ich die wichtigsten Dinge in Santo Domingo ersetzen.
Doch der Brand hinterlässt auch emotional seine Spuren. Als wir einige Tage später in den Bergen stehen, unter uns ein grünes Meer aus Palmen, wird mir bewusst: Diese Reise ist mehr als Erholung. Sie lehrt mich, wie fragil Sicherheit ist – und wie kostbar jeder Atemzug unter karibischem Himmel.
Gian Dönier (51) ist Elektroingenieur aus Wettingen AG und liebt es, zu reisen – vorzugsweise ohne defekte Elektrogeräte. Seine tollsten Reisen erlebte er bislang in Lateinamerika.